Die "Pessimistischen Kardinalsätze" mit dem Kapitel "Der Mann als logische sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt", welche Helene Druskowitz, österreichische Schriftstellerin und Doktorin der Philosophie 1905 veröffentlichte, war die in Buchform verfasste Antwort auf eine Jahrhunderte währende frauenfeindliche Literatur. Mit dieser Publikation wagte es eine Frau mit namhaften Wissenschaftern, allen voran Philosophen, abzurechnen, und zwar mit denselben unlauteren Mitteln, deren sich gemeinhin nur Männer bedienten. "Spottgeburt" Mann In Anlehnung an Arthur Schopenhauers bekannte Schrift "Über die Weiber" (1851), in der er die Frauen als "große Kinder" bezeichnet, als "eine Art Mittelstufe zwischen dem Kinde und dem Manne, welcher der eigentliche Mensch ist", schlug Helene Druskowitz zurück: "Der Mann ist ein Zwischenglied zwischen Mensch und Tier, denn er ist eine Spottgeburt und als solcher derart zynisch und lächerlich ausgestattet, so daß er weder das eine noch das andere in voller Wirklichkeit sein kann". Bereits 1884 hatte es Druskowitz gewagt, die Philosophie Friedrich Nietzsches, dessen Ausspruch in "Also sprach Zarathustra": "Du gehst zu Frauen, vergiß die Peitsche nicht!" über alle Maßen strapaziert worden ist, zu kritisieren. Nietzsche, welcher der Philosophin anfänglich sehr zugetan war - "ein edles und rechtschaffenes Geschöpf, welches meiner Philosophie keinen Schaden thut", bezeichnete sie später als "Literatur-Gans". "Hungernde Bestie" Mann In den "Pessimistischen Kardinalsätzen" heißt es weiter: "Seiner Beschaffung zufolge ist der Mann seiner Gefährtin unwürdig, ein Ehehindernis, nicht ein Bindeglied... er ist zu roh und lügnerisch, sein Denken zu lückenhaft und weitschweifig, seine äußere Häßlichkeit zu eklatant...". Denn die "Natur hat dem Mann durch die übermäßig auffallende Entwicklung seiner Genitalien eine Schlappe, ein Brandmal ohnegleichen aufgedrückt... So exaltiert das "Zwischenglied" in der Liebesphase verfährt, ebenso unerträglich, impertinent bis zum äußersten, schlechter gelaunt als eine hungernde Bestie, ist der Mann nach erfolgter Besitzergreifung. Er ist der einzige, der sein Weib schlägt und in raffiniertester Form martert...". Erste Doktorin der Philosophie Helene Druskowitz wurde am 2. Mai 1856 in Hietzing/Wien in einem bourgeoisen Haus geboren. Nach einem Musikstudium am Wiener Konservatorium, Fach Klavier, bestand sie 1874 die ExternistInnen-Matura am Piaristen-Gymnasium in Zürich. An der dortigen Universität, an der Frauen seit 1867 zum Studium zugelassen waren, belegte sie die Fächer Philosophie, Germanistik, Archäologie, Orientalistik und Moderne Sprachen. Mit 22 Jahren promovierte sie als erste Österreicherin zur Doktorin der Philosophie. Nach dem Studium war Helene Druskowitz zunächst als Vortragende an verschiedenen Universitäten, später als Schriftstellerin und Literaturkritikerin tätig. Die Komödie "Die Emanzipationsschwärmerin", "Sultanin und Prinz", "Unerwartet" und "Drei englische Dichterinnen" sind nur einige ihrer Werke. Kreis berühmter Schriftstellerinnen 1881 lernte sie Marie von Ebner-Eschenbach kennen, in deren literarischem Zirkel sie u.a. auf Betty Paoli traf. Wie die meisten intellektuellen Frauen ihrer Epoche, für die Zigarren und Alkohol Symbole geistiger Unabhängigkeit waren, rauchte und trank auch Helene und machte aus ihrer Vorliebe für Frauen kein Hehl. Aufgrund von Halluzinationen verbrachte sie die letzten 27 Jahre ihres Lebens in Heilanstalten. Am 31. Mai 1918 erlag Helene Druskowitz einer Diarrhöe in der Heilanstalt Mauer-Oehling. (dabu)