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Foto: Reuters/Rivas
Managua - Vor den Präsidentenwahlen in Nicaragua vom Sonntag hängt bei den Ortegas der Haussegen schief. Obwohl sein Glanz als lateinamerikanisches Revolutionsidol längst verblasst ist, will Daniel am 4. November noch einmal sein Glück versuchen. Aufgeputscht durch Erfolge bei den Kommunalwahlen im Vorjahr hofft der 55-Jährige trotz angeschlagener Gesundheit die Wahlniederlagen von 1990 gegen Violetta Chamorro und 1996 gegen den scheidenden Präsidenten Arnoldo Aleman (1996) vergessen zu machen. Daniels Bruder, selbst ehemaliger Verteidigungsminister, versagt aber trotzig seine Unterstützung: "Ich wähle ihn nicht". Bereits vor Monaten hatte Humberto einen offenen Brief an Daniel geschrieben und an die Tageszeitung "La Prensa" geschickt. Die "Frente Sandinista para la Liberacion Nacional (FSLN)" brauche einen Wandel und eine Erneuerung, legt er seinem Bruder nahe. "Setze ein Zeichen und verzichte aus Rücksicht darauf auf die Kandidatur." Eigennutz So wohlgemeint der Ratschlag auch klingen mag, frei von Eigennutz war er nicht. Humberto, der 1979 nach dem Sturz des Somoza-Clans das Amt des Armeechefs übernahm und trotz des sandinistischen Machtverlustes bis 1994 innehatte, gilt innerhalb der FSLN als Vertreter des Unternehmertums. Die Wirtschaftstreibenden aber können mit dem verträumten Heldenimage, mit dem sich Daniel immer noch gerne umgibt, wenig anfangen. Sie argumentieren mit ökonomischen Fakten und stellen dem Ex-Präsidenten ein miserables Zeugnis aus. Sie verbuchen auf seiner Habenseite ausschließlich Privatisierungsfeindlichkeit und Misswirtschaft. Dass an der miserablen Wirtschaftssituation auch die Embargo- und Boykottpolitik der USA Schuld tragen, wird da gar nicht mehr erwähnt. Kompromiss nötig Unter diesen Umständen wäre Humberto ein Mann wie Herty Lewites als Kandidat lieber gewesen. Der Bürgermeister von Managua, ebenfalls ein General im Ruhestand, bewies bereits in den achtziger Jahren als Tourismusminister, dass marktwirtschaftliche Dynamik und Mitgliedschaft bei der FSLN kein Widerspruch sein müssen. Lewites winkte aber von sich aus ab. So setzte sich letztlich doch wieder Daniel Ortega durch. Vor allem wegen des Einflusses der Parteibasis. Die stützt ihn noch immer, obwohl sich die Stimmen mehren, denen die Parteistrukturen einfach zu verkrustet sind. Letztlich dürfte Ortega aber um einen Kompromiss mit dem Unternehmerflügel nicht umhinkommen. Wobei die Gesprächsbasis in Managua mitunter breiter sein dürfte, als man auf den ersten Blick annehmen könnte. "Liberale und Sandinisten in Geheimverhandlungen", schrieb am Montag "La Prensa". Weil sich Ortega und sein liberaler Widerpart, Vizepräsident Enrique Bolanos ohnehin ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern werden, werde schon jetzt beraten, wie man sich nach den Wahlen die wichtigsten Positionen an den Schalthebeln der Macht aufteilen will. Bolanos gab sich empört: "Das sind Luftblasen. Über den Volkswillen zu verhandeln, wäre Verrat am Vaterland." (APA)