Brüssel - Die europäischen Fluggesellschaften halten die seitens der EU getroffenen Maßnahmen nach den Terroranschlägen in den USA am 11. September für "kaum angemessen". Der Verband Europäischer Fluggesellschaften (AEA) fordert unter anderem ein sechsmonatiges Hilfsprogramm der Regierungen zur Abdeckung der Versicherungshaftungen durch Schäden aus Terror und Krieg, wie es die USA ihren Gesellschaften gewähren. "Kaum angemessen" Die EU-Finanzminister hätten bei ihrem jüngsten Ratstreffen aus einer "willkommenen Initiative" der Verkehrskommissarin Loyola de Palacio ein Paket gemacht, das dem Ausmaß der direkten Verluste nach dem Desaster "kaum angemessen" ist, sagte der Generaldirektor von Air France und diesjährige AEA-Vorsitzende, Jean-Cyril Spinetta, in Brüssel. Der AEA gehören auch die Austrian Airlines (AUA) an. Dauerhafte Krise Die Schäden aus der Schließung des US-Luftraums nach den Anschlägen gingen weit über die "willkürlich gesetzte Dauer von vier Tagen" hinaus, meint Spinetta. Die Luftfahrt stehe vor einer "dauerhaften, nicht einer temporären Krise". Mit klaren Richtlinien an die Regierungen solle die Kommission der europäischen Luftfahrt ermöglichen, für die Schäden nach dem 11. September eine "faire Kompensation" zu erhalten. Insbesondere beanstandet der AEA-Vorsitzende die dramatisch gestiegenen Versicherungsprämien für Terror und Krieg. Die meisten EU-Regierungen hätten sich bereit erklärt, die Haftungen dafür bis zum Jahresende zu übernehmen. Eine längerfristige Lösung mit Einbeziehung der Kommission und den Versicherungen ist laut AEA aber nicht vor Ende März möglich. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen Manche Luftraumüberwachungs-Einrichtungen hätten ihre Gebühren um 10 bis 25 Prozent erhöht. Die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen müssten von der öffentlichen Hand übernommen werden, da sie Reaktionen auf kriegerische Handlungen seien. Die US-Regierung habe mit ihren Unterstützungen klar gezeigt, wie wichtig ihr eine starke Luftfahrtindustrie ist. Die bereits bezahlten Unterstützungen würden den Einnahmen aus zwei Wochen Flugbetrieb entsprechen, so Spinetta. 20.000 Jobs in Gefahr Die Auswirkungen der Anschläge auf die europäische Luftfahrt waren laut AEA gravierend: In den fünf Wochen nach den Anschlägen fiel der Passagierverkehr gegenüber dem Vorjahr um 18,3 Prozent zurück, voraussichtlich 20.000 Mitarbeiter der AEA-Mitglieder könnten ihren Job verlieren. Statt eines geplanten ausgeglichenen Ergebnisses stehen die europäischen Airlines nun vor einem erwarteten Verlust von 2,5 Mrd. Euro (34,4 Mrd. S). (APA)