Linz - Links ein Wäschegeschäft, im Anschluss daran ein Drogeriemarkt, dem gegenüber eine Modeboutique und dann in leuchtendem Gelb und Fegefeuerrot: urbi@orbi. Inmitten des neu eröffneten Linzer Konsumtempels "Atrium City Center" hat die katholische Kirche ihr erstes Info-Center eröffnet. Eine niederschwellige, unkonventionelle Andockstelle zur Religion, wie man versichert. Missioniert werde niemand.Einzigartiges Projekt "Wenn die Leute nicht mehr zum Berg kommen, muss der Berg eben zu den Leuten", zitiert Betriebspfarrer Hans Gruber etwas abgewandelt den Sinnspruch. Er hatte die Idee zu diesem österreichweit einzigartigen Projekt in einem ebenfalls österreichweit einzigartigen Shoppingcenter. Der Konvent der Karmeliter errichtete in bester Linzer Innenstadtlage auf 12.000 Quadratmetern das Atrium. Ein Geschäftslokal im Erdgeschoß reservierten die Karmeliter für die Kirche. Der Orden verlangt dafür keine Miete. Die Diözese Linz erklärte sich bereit, die Personalkosten zu übernehmen. Die Hälfte der Errichtungskosten musste durch Spenden hereinkommen. Was Gruber auch schaffte. Als Mitte Oktober das Atrium öffnete, sperrte auch urbi@orbi auf - Bistrotische, gelbe Stühle, rote Wände. Fegefeuerrot, witzeln manche. Ruhe, Begegnung, Information Ungläubig blicken die beiden Passanten drein. Die Männer verlangsamen ihren Schritt, lesen was am Eingang steht. "Ein Ort für Ruhe, Begegnung, Information und Gespräch". Eine chic gekleidete Dame geht an den Herren vorbei, direkt auf das Regal mit den Kirchenzeitungen zu. Eine Pensionistin möchte gern ein Verzeichnis der Linzer Gotteshäuser. Der Mitarbeiter von urbi@orbi geht zu einem der beiden Computer und druckt ihr die Übersicht aus. Die PC sind auch ans Internet angeschlossen, der Zugang ist für jeden Besucher offen. "Die Kirche muss hinaus aus der Sakristei, mit der Zeit gehen", glaubt Pfarrer Gruber. Das gilt für ihn in jeder Beziehung. Die Computer sponserte ein Geldinstitut, dessen Logo auch am Eingang zum Info-center klebt. Ein Modehaus stattet die beiden hauptberuflichen Mitarbeiter, ein Theologe und eine Soziologin, aus. Open-Source-Charakter Gemeinsam mit zehn ehrenamtlichen Helfern stehen sie montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags bis 14 Uhr für Gespräche bereit. Wer will, kann bloß Zeitung lesen oder sich aus dem Automaten ein Getränk ziehen. Noch kommen die Leute aber aus Neugier zum Schauen. So wie auch jene beiden Männer, die lieber weiter- als hineingehen. "Wir werden in der nächsten Zeit gezielt Aktionen setzen, um Kontakt zu den Leuten herzustellen", erklärt Gruber. Am 9. November gibt es etwa einen "Harry-Potter-Nachmittag für Groß und Klein".