Besonder- und Abgehobenheit, Magie, Spiritualität und Heilung stehen symbolisch mit Lila und Violett genauso in Verbindung wie das Gleichgewicht zwischen Erde und Himmel, Sinnen und Geist, Leidenschaft und Verstand, Liebe und Weisheit. In der indischen Symbolik ist sie die Farbe der Seelenwanderung, des Übergangs. Als Sakralfarbe des Christentums steht Violett liturgisch für die Advents- und Passionszeit. Diese Tradition wurzelt im Altertum, wo Violett die kostbarste Purpurfarbe war.

Farbe der KönigInnen

Lila war also von jeher etwas Besonderes, was sicherlich mit der komplizierten und teuren Gewinnung von Purpur zusammenhängt, und folglich einer Elite vorbehalten: Die Purpurstreifen an der Toga von Julius Cäsar, die Purpurmäntel der KaiserInnen, die purpurne kaiserliche Tinte zeugen davon. Als mit der Eroberung Konstantinopels die Purpufärberei endete, trat Cochenille-Rot an ihre Stelle und Violett wurde – nun aus Kermes und Indigo hergestellt – zur Farbe der Bischöfe. Seit 1856, als der Chemiker William Perkin bei seiner Suche nach einem Mittel gegen Malaria zufällig ein Teerderivat entwickelte, welches ein helles Violett hervorbrachte, ist die Farbe Lila synthetisch produzierbar.

Farbe der Unabhängigen

Lila vereinigt die beiden Gegensätze Rot und Blau und wurde daher als Mischfarbe zwischen den Geschlechtern – dem weiblichen Rosa/Rot und dem männlichen Blau – zu einer Farbe der Eigenständigkeit, von der Frauen-, Lesben- und Schwulenbewegung angeeignet. Als Ausdruck der Frauenliebe und Unabhängigkeit wurde Violett erstmals von der auf der griechischen Insel Lesbos lebenden antiken Lyrikerin Sappho erwähnt. Im Mittelalter bezeugten Violett und Veilchen dann das Unverheiratetsein (und Bleibenwollen) sowohl von Frauen als auch Männern.

Frauen- und Lesbenbewegung

Wieder zu neuem Leben erweckt, triumphierte die Symbolfarbe in der ersten Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts insbesondere um die Jahrhundertwende als ihre Signalfarbe. So waren dann auch die ersten Plakate zum Internationalen Frauentag in Violett gehalten. Die Verknüpfung von femme fatale und Frauenliebe stand in den "Goldenen Zwanziger Jahren" hoch im Kurs. Mit der Neuen Frauenbewegung der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts kam Lila als Frauenfarbe zu neuem Glanz. Etwa bis 1979 galt es für "eingefleischte" Feministinnen sozusagen als politisches Must, sich in Lilatönen zu gewanden.

Mit den 80er erfolgte – möglicherweise aufgrund der Entdeckung von Violett als Modefarbe und anschließender Kommerzialisierung – eine feministische Abkehr vom Lilaboom, zumindest betreffend des Outfits, das sich in Richtung Schwarz und Pink verschob. Lila erhielt dafür eine Würdigung als Namenspatronin von feministischen Projekten, Gruppen und Veranstaltungen. Hier einige Beispiele aus der Wiener Szene:

Lila Laden: Frauen-Infobörse und Boutique, 1985 gegründet.

Lila Löffel: 1981 als Verein eröffnet, 1982 zu einem Frauenbeisl und 1986 als "Sonderbar" weitergeführt.

Lila Matinéen: 1985 und 1986 vom Verein Egalia zum Internationalen Frauentag veranstaltet. 1987 gab der Verein Urania eine "Lila Soirée".

Lila Nächte: in den Jahren 1983 und 1985 im Frauencafé gefeiert.

Lila Ozon: Zeitschrift der Frauengruppe Efeu – 1987.

Lila Paragraphinnen: Studentinnengruppe am Juridicum 1987.

Rosa Lila Villa: Haus der Lesben- und Schwulenbewegung an der Linken Wienzeile.

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