Wien - Schwere Vorwürfe gegen das ehemalige Management der Handelskette Libro werden in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Trend erhoben. Laut einem Gutachten, das Ausgleichsverwalter Günter Viehböck bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Auftrag gegeben hat, werde der Vorwurf der Konkursverschleppung "um Monate, wenn nicht Jahre" erhoben. Das Unternehmen sei im insolvenzrechtlichen Sinn bereits im Herbst 2000 zahlungsunfähig und überschuldet gewesen. Ohne Bilanztricks hätte bereits im Mai 2000 der Verlust des bilanziellen Eigenkapitals festgestellt werden müssen.

Der Ausgleich wurde aber erst am 29. Juli 2001 angemeldet. Dazwischen kündigte Exchef André Rettberg weiterhin auf Pressekonferenzen und in Aussendungen Turnaround-Szenarien und neue Projekte für Libro, die damalige "Tainment-Company", an.

Viehböck bestätigte dem S TANDARD , dass er bei der Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsfirma Haarmann Hemmelrath das genannte Gutachten in Auftrag gegeben hatte. Dessen Ergebnisse seien in den Ausgleichsbericht eingearbeitet worden und so allen Libro-Gläubigern zugänglich. (Der Standard, Printausgabe, 30.11.01)