Oslo - Kamele haben Höcker ausgebildet, die Römer Aquädukte gebaut. Doch die Zukunft der Wasserbeförderung liegt nach den Vorstellungen der norwegischen Firma Nordic Water Supply in riesigen, hochseetauglichen Schläuchen aus Polyester mit einer zwei Millimeter dicken Hülle. In diesem Jahr wird das Unternehmen nach eigenen Angaben rund zwei Millionen Tonnen Wasser mit Hilfe der weltweit größten schwimmenden Schläuche von der Türkei nach Nordzypern transportieren. Bei dem Verfahren ziehen Schlepper den grauen, rund 200 Meter langen Schlauch zu seinem Bestimmungsort. Ein Behältnis fasst 35.000 Tonnen Süßwasser und sieht in gefüllter Form so aus wie ein riesiger Wal oder eine überdimensionierte Wurst. Am Ziel angekommen, wird die Ladung an speziellen Terminals gelöscht und der Schlauch um eine große Spule auf dem Schleppkahn gewickelt. Einsatz in der Katastrophenhilfe "Wasser muss über immer weitere Strecken transportiert werden", sagt Jan-Otto Reimers, der Chef von Nordic Water Supply. Die Beförderung in schwimmenden Behältern sei oft preiswerter als der Transport via Pipeline. Zudem könnten die Wasserschläuche dazu beitragen, dass sich Küstengebiete bei Umweltkatastrophen schneller regenerieren. Die "Riesenwale" könnten etwa dann eingesetzt werden, wenn Wasser nach einem Erdbeben oder Wirbelstürmen verseucht sei. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) muss der Wasserverbrauch bis 2025 halbiert werden, wenn es den Ländern nicht gelingt, das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Wassermarkt zu beseitigen. Das Problem wächst Reimers zufolge wegen der Touristen, die ihren Urlaub in sonnigen Regionen verbringen wollten, in denen nur wenig Wasser vorhanden ist. "Vor 100 Jahren konnte man nicht an einem Ort ohne Wasser leben. Heute wählen die Menschen ihren Lebensmittelpunkt nach der Umgebung aus", so Reimers. Vor einem Jahrhundert hatten die Menschen noch keine Wasser verschlingenden Waschmaschinen, Schwimmbäder oder Rasenflächen, und sie wuschen sich weitaus seltener. Groß wie ein Supertanker In den kommenden Jahren will Nordic Water Supply, das seit 1998 an der Osloer Börse notiert ist, einen 100.000 Tonnen fassenden Wasserschlauch auf den Markt bringen. Mit 350 Metern wäre das schwimmende Behältnis so lang wie ein Supertanker. Künftige Transporte von Nordic Water Supply könnten von Mexiko nach Kalifornien oder vom Iran zu den Vereinigten Arabischen Emiraten führen. (Reuters)