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foto: reuters/dalder
Paris - Frankreich droht durch einen Streik der Bankbeschäftigten Chaos zur Einführung des Euro-Bargeldes. Vom 2. Jänner 2002 an werde im gesamten Bankensektor gestreikt, kündigte ein Gewerkschaftsvertreter nach Beratungen der fünf Bankgewerkschaften in Paris an. Der Streik werde auch die Sparkassen betreffen und könne von Tag zu Tag verlängert werden. Die Gewerkschaften fordern seit Wochen Gespräche mit den Arbeitgebern, um mit ihnen die Bedingungen der Mehrarbeit während der Euro-Einführung auszuhandeln. Zudem fordern sie eine bessere Bezahlung sowie verstärkte Sicherheitsvorkehrungen in den Bankfilialen. Ein Bankenstreik könnte die Einführung des Euro-Bargelds in Frankreich de facto lahmlegen und Millionenschäden verursachen. Finanzminister Laurent Fabius rief beide Seiten zur Vernunft auf. "Die Einführung des Euro ist ein historischer Moment, der Frankreich und ganz Europa in die Zukunft führt. Es wäre paradox, diese Epoche mit geschlossenen Bankschaltern zu beginnen", sagte Fabius. Er gehe davon aus, dass sich Banken und Gewerkschaften an den Verhandlungstisch setzten. "Wir wollen eigentlich keinen Streik, aber wir machen Druck, damit die Arbeitgeber mit uns verhandeln. Wenn das nicht geschieht, dann schreiten wir zur Tat", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft "Force ouvriere". Vom 2. Jänner bis 17. Februar müssen die französischen Banken und Sparkassen den Rücklauf der Milliardenbeträge in Franc und die Ausgabe der neuen Euro-Münzen bewältigen. Mit dem Streikaufruf haben die Gewerkschaften ein erhebliches Druckmittel in der Hand. Die Banken hatten wegen der Euro-Einführung die Erlaubnis erhalten, die Einführung der gesetzlich vorgeschriebenen 35-Stunden-Woche zu verschieben. Bis Ende März 2002 kann die Wochenarbeitszeit bis zu 52 Stunden betragen. Die Gewerkschaften hatten gehofft, von der Übergangszeit zu profitieren und Zusagen für Gehaltsaufbesserungen und Einstellung zusätzlichen Personals erhalten zu können. Sie fordern ferner die Einrichtung eines "Runden Tisches", an dem über die Zukunft der französischen Notenbank in der Euro-Zone beraten werden soll, sowie eine generelle Gehaltserhöhung für die Angestellten von monatlich netto 500 Franc (76,2 Euro/1.049 S). Der französische Bankenverband hatte am Dienstag angekündigt, für die heiße Phase der Euro-Einführung vorübergehend 50.000 junge Helfer einzustellen. Auch der Stichtag für den Verkauf der Starter Kits mit den neuen Euro-Münzen ist in Frankreich vom Streik bedroht. Die Post-Gewerkschaften riefen für den 14. Dezember zum Ausstand auf. Auch sie verlangen Mitsprache bei der Einstellung weiteren Personals und den Sicherheitsmaßnahmen. Der Vorstand des Staatsunternehmens hatte im September die Einsatz von 3.000 Zeitarbeitern sowie von rund tausend pensionierten Post-Angestellten für die Wochen der Euro-Einführung angekündigt. Die Beschäftigten der seit zwei Wochen bestreikten Euro-Münz-Fabrik im französischen Pessac beendeten hingegen am Mittwoch ihren Ausstand. Dem Beschluss sei ein neues Angebot der Arbeitgeber zur Umsetzung der 35-Stunden-Woche vorausgegangen, teilte ein Gewerkschaftssprecher mit. Am Donnerstagmorgen wollten die Angestellten ihre Arbeit wieder aufnehmen. (APA)