Es sei noch keine Entscheidung gefallen, ob die Aktie der Telekom Austria (TA) vom Markt genommen werden solle. Das sei nur eine von mehreren Optionen im Zusammenhang mit dem vom Beteiligungspartner Telecom Italia deklarierten Wunsch, sich von der 29,8-Prozent-Beteiligung an der TA zu trennen, sagte ÖIAG Aufsichtsratspräsident Alfred Heinzel am Samstag im "Journal zu Gast" des ORF-Radios. In dieser Legislaturperiode werde es außer einer zweiten Verkaufstranche bei der TA und dem im Endstadium befindlichen Verkauf von Strohal-Druck keine weitere Privatisierung mehr geben, so Heinzel. Trennung von Fest- und Mobilnetz "möglich" Die zweite Privatisierungstranche der Telekom Austria sei laut Regierungsabkommen in den nächsten zwölf bis 18 Monaten vorgesehen. Ob es zu einer gesellschaftlichen Trennung von Fest- und Mobilnetz kommen werde, bezeichnete Heinzel aus seiner Sicht als "möglich", falls der ÖIAG-Vorstand und die Aktionäre dies wollten. Weitere Entschuldung Den aktuellen Schuldenstand der ÖIAG bezifferte Heinzel mit 27,5 Mrd. S (2,00 Mrd. Euro), knapp 59 Mrd. S (4,29 Mrd. Euro) an Schulden seien durch die bisherigen Privatisierungen abgebaut worden, was für jeden Österrreicher eine Schuldenentlastung um rund 7.500 S bedeute. Um die ÖIAG-Schulden glatt zu stellen, müsse die Entschuldung pro Kopf rund 10.000 S betragen. Hiefür könne die ÖIAG neben der zweiten Tranche der TA noch die Strohal-Druckerei und einige Grundstücke anbieten. Wenn die Entschuldung fertig sei, "können wir uns auf das Beteiligungsmanagement konzentrieren", sagte Heinzel. Kein weiterer Verkauf staatlicher Beteiligungen Ein Verkauf weiterer staatlicher Beteiligungen (Böhler-Uddeholm, VA Tech, voestalpine, AUA, Post) sei nach den politischen Vorgaben derzeit nicht vorgesehen. Die Dividendenerträge der ÖIAG-Beteiligungen würden ausreichen, um den Zinsaufwand abzudecken. "Es gibt daher keine zeitliche Notwendigkeit, um etwas zu verkaufen", so Heinzel. Die Rolle des Staates als Kernaktionär würde Heinzel allerdings nur auf energie- und versorgungspolitische Wirtschaftsträger beschränken. "Ich glaube nicht, dass der Staat Aktionär einer Stahl- oder Dienstleistungsgesellschaft sein muss." Denn bei Unternehmen mit Staatsbeteiligung seien der politische Einfluss und die Haltung der Arbeitnehmervertreter anders als bei rein privaten Unternehmen. Zur Vorstandsdiskussion bei der TA sagte Heinzel, er betrachte den TA-Vorstand mit dem Vorsitzenden Heinz Sundt nicht als in Frage gestellt. Das sei also kein Thema für den ÖIAG Aufsichtsrat. Mit FPÖ-Wirtschaftssprecher Thomas Prinzhorn verbinde ihn, Heinzel, eine Jugendfreundschaft, "und das wird auch so bleiben, mit oder ohne ÖIAG". Sein unmittelbarer Gesprächspartner in Sachen ÖIAG-Politik sei aber Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F). Den politischen Einfluss auf die ÖIAG bezifferte Heinzel in einer zehnteiligen Bewertungsskala mit "fünf".(APA)