London - Fans in aller Welt sollen den letzten Wunsch von George Harrison erfüllen: Mit einer Schweigeminute, so hat es der ehemalige Beatle vor seinem Tod hinterlassen, sollen sie ihn "auf seiner Reise" begleiten: Um exakt 22.30 Uhr MEZ, auf die Minute genau vier Tage nach seinem Tod. Der zum Hinduismus übergetretene Musiker hatte die Stunden nach seinem Krebstod zuvor mit seiner Familie und Gurus der Hare-Krishna-Bewegung vorausgeplant: Blumen, Öle und Musik sollten ihm beim Weg in eine neue Existenz helfen, seine Asche soll in Indien in den heiligen Fluß Ganges verstreut werden. Nach Presseberichten vom Sonntag sind Harrisons Frau Olivia und Sohn Dhani mit der Urne in einem Privatjet zum Familienanwesen auf Hawai geflogen. "Wir sind von der weltweiten Flut von Liebe und Mitgefühl für George zutiefst bewegt", hieß es in einer am Sonntag in Los Angeles im Namen seiner Ehefrau Olivia (51) und seinem Sohn Dhani (23) herausgegebenen Erklärung. Harrison-Freund Gavin de Becker fügte hinzu: "Olivia und Dhani laden Euch ein, sich mit ihnen in einer Minute der Meditation zu Ehren von Georges Reise zu versammeln, wo immer Ihr Euch aufhaltet, montags um 13.30 Uhr (Ortszeit, d.h. 22.30 MEZ, Anm.)." "Letztes geheimes Album" Wie am Wochenende weiters bekannt wurde, hatte der mit nur 58 Jahren Verstorbene noch kurz vor seinem Tod ein Album aufgenommen. In den Monaten vor seinem Krebstod hat Harrison nach einem Bericht der "Sunday Times" (London) ein "letztes geheimes Album" aufgenommen. In ironischer Anspielung auf seine herausragende Rolle in der Musik mit Epoche machenden Songs wie "Something" oder "Blow Away" habe er dem Album den Titel "Portrait of a Leg End" gegeben. Anders als auf seiner letzten Single "Horse to Water" nahm Harrison darin keinen Bezug auf seine Krankheit. Er arbeitete aber die "traumatische Erfahrung" des Anschlags auf ihn in Henley Ende 1999 musikalisch auf. Harrisons Plan, sein letztes Album im Oktober zu veröffentlichten, wurde von seiner Krankheit durchkreuzt, berichtete die "Sunday Times". Weihrauch und Gesang Zu seinen letzten Stunden im Haus von Gavin de Becker am Donnerstag in Los Angeles hatte Harrison nach einem Bericht des "Sunday Mirror" seinen Mentor, den legendären Sitar-Spieler Ravi Shankar (81), zu sich gerufen. Zwei weitere Mitglieder der Hare-Krishna-Sekte kamen aus London und Neuseeland. Sie hätten Harrison mit Musik und Gesang auf "seinem Weg zur Reinkarnation" geholfen, sagte Shankar der Zeitung. Dem hinduistischen Glauben zufolge wird jedes Wesen - je nach guten oder schlechten Taten - als Gott, Mensch oder Tier wiedergeboren. "Er hatte einen friedfertigen Ausdruck - von Liebe umgeben." Im Moment seines Todes habe er wiederholt "Hare Krishna" gerufen. Harrisons Körper wurde in Tücher gehüllt, mit Blumengirlanden bedeckt, mit Wasser aus dem Ganges besprüht und mit wohlriechenden Ölen gesalbt. "Weihrauch und Gesang füllten den Raum, als er hinüberglitt", schrieb der "Mirror". 20 Minuten später wurde die Leiche in ein Krematorium gebracht und in einem Pappsarg eingeäschert, berichtete das Beerdigungsunternehmen Hollywood Forever. Nur zwölf Stunden nach dem Bekanntwerden des Todes hatten bereits 5.000 Fans in den Foren von America Online und Yahoo ihrer Trauer Ausdruck verliehen. Die Nachfrage nach Harrisons Solo-Alben schoss bei dem Online-Händler Amazon in die Höhe. Allein sein Dreifachalbum "All Things Must Pass" von 1970 wurde innerhalb von Stunden zur Nummer fünf der Top Ten. Liverpool, die nordenglische Heimatstadt der Beatles, plant einen Gedenkgottesdienst für Harrison. (APA/dpa)