Linz - Im Prinzip ist alles klar. Sieben von zehn Österreichern sind der Meinung, dass den Pensionisten mit der anstehenden Pensionserhöhung zumindest die Inflationsrate abgegolten werden sollte. Nur 15 Prozent würden sich dem Argument des Finanzministers anschließen, dass das Budget geschont werden sollte (die restlichen 13 Prozent können oder wollen sich nicht entscheiden).

Doch so sehr die Anliegen des Seniorenrats durch diese market-Umfrage aus der letzten Woche (401 Befragte, statistische Schwankungsbreite: fünf Prozent) unterstützt werden: Die Österreicher gewinnen dem von der Regierung angebotenen Kompromiss mindestens so viel ab. Dass die kleinen Pensionisten mehr und die besser verdienenden weniger als die Inflationsrate bekommen, das erscheint 80 Prozent der Österreicher als tragbarer Vorschlag - in dieser Konstellation bleiben für die Gegenposition (dass die Vorgangsweise der Regierung ungerecht wäre) nur 15 Prozent.

Dazu kommt, dass die Zustimmung zum Pensionskompromiss weitgehend unabhängig von Alter, beruflicher Position oder Parteipräferenz erfolgt.

Hohe Pension kappen

Ein weiterer Punkt betrifft die Neigung, höhere Pensionen generell schlechter zu stellen. Dazu stellte market eine Frage, die schon 1997, bei der vorletzten Pensionsreform gestellt wurde: "Im Rahmen dieser Pensionsreform ist ja auch darüber diskutiert worden, ob auch in bestehende, sehr hohe Pensionen eingegriffen werden soll oder nicht. Was halten Sie davon? Hätte man Ihrer Meinung nach auch bei bestehenden, sehr hohen Pensionen eingreifen sollen, oder halten Sie davon eher weniger?" Immerhin 63 Prozent sind für solche Schnitte bei höheren Pensionen - im Herbst 1997 waren sogar 70 Prozent dafür. 30 Prozent sind strikt dagegen. Auch bei dieser Frage gibt es keine signifikanten Unterschiede in den verschiedenen sozialen und politischen Gruppen.

DER STANDARD ließ rund um das Pensionsthema noch weitere Fragen aus früheren Umfragewellen wiederholen. So wurden diejenigen Befragten, die den Pensionsantritt noch vor sich haben, gefragt, ob sie erwarten, im selben Alter in Pension gehen zu können wie das heute üblich ist: Darauf sagten 27 Prozent, dass sie das annehmen (im Mai 2001 waren es 31 Prozent), 58 Prozent (Mai 2001: 56 Prozent) gehen davon aus, dass sie länger arbeiten werden müssen. "Dieses Thema ist weitgehend durch, besonders bei den jüngeren Befragten und bei denen mit höherem Bildungsniveau, die die Diskussion intensiver verfolgen", sagt market-Studienleiter David Pfarrhofer.

Die Vergleichsumfrage im Mai wurde kurz nach der Ankündigung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel durchgeführt, die Österreicher sollten generell bis 65 Jahre arbeiten - daher gab es damals ein etwas höheres Bewusstsein für das Thema. Dennoch meinen nach wie vor 60 Prozent der Befragten, Schüssels Vorschlag sei falsch, nur 33 Prozent halten ihn für richtig.

Während im Mai 39 Prozent sagten, die Österreicher gingen generell eher zu früh in Pension, so sind jetzt nur mehr 30 Prozent dieser Meinung. 47 Prozent (im Mai: 39 Prozent) sagen, die Österreicher gingen generell im richtigen Alter in den Ruhestand, weitere elf Prozent glauben sogar, das Pensionsalter sei zu hoch. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 3.12.2001)