Buenos Aires - Das hoch verschuldete Argentinien will über Beschränkungen im Zahlungsverkehr Liquiditätsabflüsse aus dem Finanzsystem verhindern. Wirtschaftsminister Domingo Cavallo sagte am Samstag, es sei überaus wichtig, dass die Ersparnisse im Geldkreislauf blieben und nicht unter Matratzen verschwänden.

Die Beschränkungen, die unter anderem Barabhebungen auf 1000 Dollar je Monat begrenzen, sollen 90 Tage in Kraft bleiben. In diesem Zeitraum will die Regierung ihren begonnenen Schuldentausch abschließen. Argentinien ist mit 132 Milliarden Dollar (2046 Mrd. S/148,7 Mrd. EURO) verschuldet. Der argentinische Peso ist fest an den US-Dollar im Verhältnis eins zu eins angebunden. Argentiniens Präsident Fernando de la Rúa hatte per Dekret die Beschränkungen erlassen, um das Finanzsystem vor dem Kollaps zu bewahren. Noch am Freitag hatte es massive Mittelabflüsse gegeben.

Der Liquiditätsmangel zeigte sich etwa daran, dass im Geldhandel der Banken Sätze von bis zu 700 Prozent genannt wurden. Cavallo sagte, es gebe "einflussreiche" Leute, die versuchten, Argentinien in eine Abwertung zu drängen. "Argentinien wird von denjenigen angegriffen, die aus einer Abwertung Profit ziehen wollen."


Nulldefizit-Politik

Die Regierung bleibe aber entschlossen, den Peso eins zu eins zum Dollar zu halten. Die Regierung werde sich zugleich bemühen, das Vertrauen der Bürger zu gewinnen, sagte der Wirtschaftsminister, der für seine "Nulldefizit"-Politik kämpft, weiter. In der ersten Phase des Schuldentauschs (Debt swap) seien inländische Staatsanleihen von mehr als 50 Milliarden Dollar gewechselt worden, sagte Cavallo. Dies führe zu jährlichen Zinseinsparungen über 3,545 Milliarden Dollar. Insgesamt hätten 60 Milliarden Dollar an inländischen staatlichen Verbindlichkeiten getauscht werden können.

Die neuen Titel sind mit einem geringeren Kupon ausgestattet, sollen dafür aber bessere Rückzahlungsgarantien erhalten. Den internationalen Geldgebern werde im kommenden Jahr der Schuldentausch angeboten, sagte Cavallo weiter. Nach dem Dekret sind die Barabhebungen auf 1000 Dollar je Monat oder 250 Dollar je Woche beschränkt. Weiter gehende Zahlungen müssen per Scheck oder Kreditkarte vorgenommen werden. Guthaben in Peso dürfen nicht mehr höher verzinst werden als solche in Dollar. Peso-Bankeinlagen können gebührenfrei auf Wunsch in Dollar getauscht werden. Um die Kapitalflucht zu stoppen, sind Auslandsüberweisungen auf 1000 Dollar beschränkt, es sei denn, es liegt eine Genehmigung der Zentralbank vor, oder die Transaktion steht im Zusammenhang mit dem Außenhandel. Für den einfachen Bürger dürften sich die Beschränkungen kaum auswirken.

Ein Friseur in Buenos Aires sagte, für die meisten Leute reichten 1000 Dollar in bar je Monat aus. (Reuters)