Noch haben Offizielle der US- Regierung nicht auf einen Artikel des Hamburger Green- peace Magazins reagiert, wonach ein hochrangiger Mikrobiologe des US-Biowaffenprogramms hinter den Anthrax-Anschlägen stecken soll. Dem Bericht zufolge hält die Regierung sowohl die Identität des mutmaßlichen Täters als auch den Standort des Labors geheim, aus dem die Anthraxsporen angeblich stammen. Gemäß einem Bericht der New York Times aber hat die Bundespolizei FBI inzwischen ihre Suche nach möglichen Ursprungsorten der tödlichen Sporen auf Regierungslabors und deren Zulieferer ausgedehnt. Über die genaue Vorgehensweise der FBI-Ermittler ist nur wenig bekannt. Auf jeden Fall sollen Agenten der Bundespolizei bereits mit Forschern innerhalb des Militärs gesprochen haben, die auf jenen Gebieten tätig sind, die das frühere Biowaffenprogramm der US-Armee ersetzt haben. Zentrum der "Bioverteidigung" ist Fort Detrick im Staat Maryland, unweit von Washington. Biowaffen-Verzicht

Die USA hatten 1969 unter Präsident Richard Nixon darauf verzichtet, weiterhin Bio- waffen herzustellen, und später ein entsprechendes internationales Abkommen unterzeichnet. Zu den Stoffen, mit denen US-Forscher nach dem zweiten Weltkrieg zu experimentieren begonnen hatten, gehörte auch Milzbrand. Oberst Arthur M. Friedlander, der führende Forscher im Army Medical Research Institute of Infectious Diseases, schließt jedoch aus, dass ein Mitarbeiter in Fort Detrick hinter den Anthrax-Attentaten steckt. Niemand in seiner Organisation wisse, wie man jenes trockene Anthrax produziere, das in den Briefen an Politiker und Medienvertreter verwendet worden ist. Die Annahme, dass unter Umständen ein Insider hinter den Milzbrandanschlägen steckt, entspricht ferner einem Täterprofil, das vom FBI am 9. November veröffentlicht wurde. Demzufolge ist der Verdächtige vermutlich ein Mann, der wissenschaftlich bewandert ist und sich nicht scheut, mit gefährlichen Stoffen umzugehen. Außerdem habe der Täter wohl Zugang zu Anthraxsporen und den Methoden, den Krankheitserreger zu bearbeiten. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 5.12.2001)