Washington/Kabul - Oppositionseinheiten rückten am Montag auf die südafghanische Stadt Kandahar vor, US-Kampfflugzeuge flogen massive Bombeneinsätze. Zugleich gebe es auch unter paschtunischen Volksstämmen Kapitulationsgespräche, sagte ein US-Militärsprecher in Islamabad: "Ob es eine friedliche Übergabe der Stadt gibt oder ein Blutbad, ist zur Stunde unklar." Tausende Zivilisten flüchten aus der Stadt.

Etwa 1000 US-Elitesoldaten, die gut 80 Kilometer vor Kandahar auf ihren Einsatz warten, bauten ihre Stellungen aus. Die Schlacht um Kandahar steht nach Einschätzung der US-Armee vor einem Wendepunkt. Der ehemalige stellvertretende Taliban-Innenminister Mohammed Khaksar sagte, die Taliban würden eher sterben, als sich ergeben. Die blutige Niederschlagung der Gefangenenrevolte in Kala Jangi habe sie darin bestärkt. Taliban-Anführer Omar wisse, dass die Amerikaner ihn auf jeden Fall töten würden, so Khaksar. "Warum sollte er dann nicht im Krieg sterben?"

Angriffe auf Tora Bora

Bei US-Luftangriffen auf die Gebirgsregion Tora Bora im Osten Afghanistans sind seit Sonntag angeblich bis zu 60 Menschen getötet worden. Die Taliban-nahe Agentur AIP meldete am Montag, außerdem sei eine rund 20 Mann starke US-Spezialeinheit in der Gegend gelandet, wo sich ein unterirdisches Versteck des Extremistenführers Osama Bin Laden befinden soll.

Eine US-Spezialeinheit sei Sonntagfrüh von zwei Hubschraubern in der Provinzhauptstadt Jalalabad abgesetzt worden, meldete AIP unter Berufung auf Quellen in der Gegend. Die Soldaten sollten mit den dortigen Behörden eine mögliche Operation in dem Gebiet Tora Bora diskutieren, hieß es in dem Bericht. Unter Berufung auf den Polizeichef der Provinz berichtete AIP, US-Flugzeuge hätten Tora Bora und die umliegende Gegend seit Sonntagabend heftig bombardiert. Dabei seien schätzungsweise 58 Menschen getötet worden. Ein Behördenvertreter in Jalalabad sagte, in der Nacht zuvor seien bei Angriffen 20 Zivilisten getötet worden.

Das amerikanische Oberkommando teilte mit, es seien nur militärische Ziele der Taliban und der al-Qa'ida getroffen worden. Tora Bora liegt rund 45 Kilometer südlich von Jalalabad im Osten Afghanistans. US-Außenminister Colin Powell sagte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Taliban besiegt und Osama Bin Laden gefunden seien. (dpa, AFP, AP) (DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2001)