"Namedropping" war am siebten Tag der Afghanistan-Konferenz die beliebteste Beschäftigung von Delegierten, Beratern, Beobachtern und Journalisten. Nach der Einigung auf Quoten für die Beteiligung der einzelnen Gruppen an der sechs Monate amtierenden Interimsregierung ging es um die Ämterbesetzung. Die Nordallianz nannte vier Kandidaten für den Regierungschef: den paschtunischen Stammesführer Hamid Karsai, den Vertrauten von Exkönig Zahir Shah, Abdul Sattar Sirat, den gemäßigten Paschtunenführer Pir Sayyid Ahmad Gailani sowie Expräsident Sibgatullah Modshaddedi.

Nach mehreren Telefonaten mit Kabul war am Montag schließlich klar, dass die nach Bonn entsandte Delegation der Nordallianz einem der vier Kandidaten zustimmen dürfe. Zuvor hatte ein Interview mit dem amtierenden Staatschef Burhanuddin Rabbani in der Washington Post für Aufsehen gesorgt, in dem Rabbani für sich den Chefposten in der Interimsregierung beanspruchte.

Die jüngere Politgeneration in der Nordallianz, Verteidigungsminister Kasim Fahim und Außenminister Abdullah Abdullah, berief daraufhin eine Versammlung mit Rabbani ein, in der die Kandidatenliste abgestimmt wurde. Über die Zusammensetzung der gesamten Übergangsregierung, um die in Bonn gerungen wird, muss allerdings laut Erklärungen aus Kabul der Führungsstab der Nordallianz erneut befinden.

(DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2001)