Wien - Mit runden Augen saßen sie auf den harten Sesseln der frühen Lichtspieltheater und sahen sich ihre leeren Mägen satt mit Leinwand-Luxus und Leinwand-Schönheit. Ödön von Horváths Karolinen und Kasimirs, die armen Angestellten und arbeitslosen Chauffeure, waren genau jenes Publikum, das die Säle der Stummfilmkinos füllte und es vor dem Spiegel übte, das "Lächeln wie die Hollywooder Stars". Geborgte Leben nennen die Kuratorinnen Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell ihre ursprünglich im Auftrag der Murnauer Horváth-Tage zusammengestellte Ausstellung, die den Spuren des Films in Horváths Werk und Leben nachspürt. Liebten Horváths Geschöpfe den Stummfilm, sah ihr Autor in der Einführung der Tonspur Ende der Zwanzigerjahre die Möglichkeit einträglicher Arbeit. Viele Spekulationen und wenige Gewissheiten beherrschen bis heute die Diskussion um Horváths Kontakte zur Filmindustrie. Als "Zwischenbericht" ihrer Forschung sehen die Kuratorinnen die gegenwärtige Dokumentation. In Wien wird die Schau ergänzt durch wertvolle Einblicke in den Nachlass Horváths. Das Literaturarchiv, in dem dieser heute aufbewahrt ist, zeigt in achtzehn Vitrinen Manuskripte, Typoskripte und Notizbücher, die Horváth als akribischen Perfektionisten ausweisen, der an seinen Texten feilte, Zitate montierte, straffte und präzisierte, bis der scharfe Horváth-Ton und die sprachlose Horváth-Stille stimmten. (cia)


Geborgte Leben. Ödön von
Horváth und der Film. Öster-
reichische Nationalbibliothek/
Camineum. 1., Josefsplatz 1,
Mo-Sa 10.00-19.00 Uhr.

Bis 17. 12.