Wien - Heftige Kritik an der Arbeitsmarktpolitik der Regierung übten am Dienstag SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures und der Sozialsprecher der Grünen Karl Öllinger. Die dramatische weitere Verschlechterung am Arbeitsmarkt sei auf "die fahrlässige Untätigkeit der Regierung" zurückzuführen, meinte Bures, die auch deutlich machte, dass von Regierungsseite bisher "außer unverbindlichen Ankündigungen nichts geschehen" sei, um der seit langem anhaltenden Zunahme bei der Arbeitslosigkeit zu begegnen. "Die Regierung hantelt sich von einem 'Konjunkturgipfel' zum nächsten, ohne jemals einen konkreten Beschluss zu fassen", so Bures. In diesem Zusammenhang bekräftigte die SP-Politikerin die Forderung ihrer Partei, die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur endlich zu beschließen und die Finanzierung sicher zu stellen. Bures erinnerte daran, dass für den Winter laut jüngsten Wifo-Prognosen die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter auf 100.000 Jobsuchende zu steigen droht. Abschöpfung In diesem Zusammenhang erneuerte Bures ihre Kritik an der Abschöpfung von Milliardenbeträgen aus der Arbeitslosenversicherung durch die Regierung, allein heuer und im kommenden Jahr würden 37 Mrd. S (2,69 Mrd. Euro) fürs Bundesbudget abgeschöpft. Gerade jetzt, wo aktive Arbeitsmarktpolitik gefordert sei, zwinge die Regierung das Arbeitsmarktservice (AMS) zu Kürzungen bei Schulungen und Qualifikationsmaßnahmen, kritisierte Bures. "Diese Regierung hat wirtschaftspolitisch und sozialpolitisch längst abgedankt", schloss Bures. Öllinger: Regierung ignoriert Probleme am Arbeitsmarkt "Die absehbare dramatische Verschlechterung des Arbeitsmarktes wurde von dieser Regierung zur Gänze ignoriert. Nicht einmal angesichts der nun veröffentlichten Horrorzahlen finden sich Regierungsvertreter bereit, Sofortmaßnahmen zu setzen", kritisiert der Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger. Als erster Schritt wäre für die Grünen die Freigabe der Arbeitsmarktreserve von 1,5 Mrd. S (109 Mill. Euro) unerlässlich. Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) werden aufgefordert die nötigen Schritte sofort zu setzen, damit dieses Geld in aktive arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, insbesondere in Aus- und Weiterbildung, investiert werden kann, so Öllinger. (APA)