Innsbruck/Wien - Die Krise der Bauwirtschaft lässt nicht einmal Innsbruck aus, obwohl es dort wenigstens eine große Baustelle gibt, die Sprunganlage auf dem Bergisel. Am 4. Jänner soll der dritte Teil der 50. Vierschanzentournee abgewickelt werden, es wird knapp werden, die FIS hat gestern dem ÖSV eine Frist bis zum 15. Dezember gesetzt. Ernst Vettori, Marketingleiter der Nordischen, hält Prognosen für unseriös: "Es sollte sich ausgehen. Über Alternativen denken wir nach, wenn wir nachdenken müssen. Zwei Springen in Bischofshofen sind noch kein Thema."

Vettori gesteht Verzögerungen ein, er selbst kann natürlich nichts dafür. Dieser Tage muss oben am Sprungturm emsig betoniert werden, eine der Voraussetzungen dafür sind Plusgrade, damit der Brei angerichtet und auch fest werden kann. Projektleiter Georg Malojer glaubt immer noch an die rechtzeitige Fertigstellung, "obwohl es nie eine Voraussetzung war, dass die Anlage bei der Tournee bespringbar ist, es war lediglich ein Wunsch".

Der Baumeister spricht von nicht vorhersehbaren Problemen: "Es hat sich herausgestellt, dass die Konstruktion diffizil zu bauen ist." Rund 100 Personen sind beschäftigt, bisweilen konnten maximal neun arbeiten, "weil am Turm die Angriffsfläche zu gering ist". Innsbruck ist eine einzige Föhn-Schneise, das wusste Malojer schon. "Aber der Wind war so arg, dass aus Sicherheitsgründen an acht Tagen nichts weitergehen konnte. Wir haben mit der Wettererfahrung gepokert."

Mitte November schließlich stürzte eine Hebebühne um, zwei Arbeiter wurden lebensgefährlich verletzt. Die beiden Deutschen liegen im künstlichen Tiefschlaf. "Das Gerät wurde beschlagnahmt, wir konnten eine Woche lang nicht zur Baustelle zufahren", so Malojer. Wer Vettori optimistisch stimmt, ist sein Präsident, ist Peter Schröcksnadel. "Der will in Innsbruck springen lassen. Wenn der was will, kriegt er es." (hac)

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 5.12. 2001)