Wien - Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Peter Mitterbauer, rechnet fix mit konkreten Ergebnissen bei dem für heute, Mittwoch, angesetzten Konjunkturgipfel. Im Club der Wirtschaftspublizisten nannte Mitterbauer die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie Aus- und Weiterbildung, für die die Regierung Geld locker machen werde. Für Mitterbauer ein Schritt in die richtige Richtung, ein "guter Einstieg". Bezüglich der Größenordnung der Konjunkturspritze hielt sich Mitterbauer bedeckt und sprach nur von einer Dimension im "niedrigen einstelligen Milliardenbereich". Budgetäre Gegenfinanzierungen werde es dafür nicht brauchen, so der Industriepräsident vor Journalisten. Absetzbetrag Dem Vernehmen nach wird der Forschungsfreibetrag in einen Absetzbetrag umgewandelt, sodass auch nicht Gewinne schreibende Unternehmen Anreize für Forschungsinvestitionen bekommen. Darüber hinaus soll der so genannte Bildungsfreibetrag erhöht werden. Kritik übte Mitterbauer am Generalverkehrsplan, in dem alle großen Infrastrukturprojekte bis 2030 aufgelistet sind. Der IV-Präsident hält diesen Zeitrahmen für viel zu lang und forderte, die Straßen und Schienenprojekte in der Ostregion Österreichs "prioritär" zu behandeln. Im Zuge der EU-Osterweiterung drohe ansonsten ein Verkehrsinfarkt. Als Beispiele für solche Projekte nannte Mitterbauer die Verbindungen Linz-Prag, Wien-Brünn, Wien-Bratislava oder eine Ringautobahn um Wien. EU-Erweiterung Vor allem der EU-Beitritt von Tschechien, der Slowakei und Ungarn sei für Österreichs Wirtschaft von immenser Bedeutung. Einen ganzen Prozentpunkt mehr Wirtschaftswachstum nach drei Jahren erwartet das Wirtschaftsforschungsinstitut für Österreich, wenn die drei wichtigsten Handelspartner im Osten der EU beitreten. Den insgesamten Beschäftigungseffekt seit der Ostöffnung bezifferte Mitterbauer mit 200.000 zusätzlichen Jobs in Österreich. Der von der Schließung bedrohte Reifenhersteller Semperit sei eher ein "atypisches" Beispiel. Meist hätten Investitionen in Osteuropa auch Jobs in Österreich geschaffen oder erhalten. Der Handelsbilanzüberschuss sei zwischen 1989 und 2000 von sieben Mrd. S auf 23 Mrd. S explodiert. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 5.12.2001)