Wien - Die Biochemie in Kundl und Schaftenau in Tirol mausert sich vom reinen Hersteller von Penicillin immer mehr zum Dienstleistungsbetrieb für die internationale Pharmabranche. Dafür dienen auch die zwei neuen Anlagen, für deren Errichtung des Unternehmen im nächsten Jahr 1,5 Mrd. S investieren wird. "Die Anlagen sind schon bis zum Jahr 2003 ausgebucht", freut sich Biochemie-Chef Heinrich Scherfler. Kompetenzzentrum Damit könne der Tiroler Paradeexporteur (fast 98 Prozent der Fertigung werden ausgeführt) am Trend der Branche mitnaschen, die Herstellung von Grundsubstanzen für die Medikamentenproduktion nicht mehr im eigenen Haus zu machen. Was laut Scherfler dazukommt: Es gibt einen weltweiten Mangel an Produktionsanlagen. "Jährlich fehlen Investitionen in der Höhe von 600 Millionen Dollar." Die Biochemie umwirbt potenzielle neue Mieter. Das Tiroler Unternehmen gehört laut Eigenangaben bereits jetzt zu den weltweit führenden Lieferanten hochkomplexer Wirkstoffe für die internationale Pharmaindustrie. Die Biochemie ist innerhalb des Schweizer Pharmariesen Novartis Kompetenzzentrum für die Antiobiotikaherstellung. Milliardeninvestitionen Diese Position will das Unternehmen mit Milliardeninvestitionen (heuer und nächstes Jahr zusammen 2,5 Mrd. S) weiter ausbauen. Läuft alles nach Plan, steht das Unternehmen in einigen Jahren vor Engpässen, weil der Standort im Unterinntal dann die Kapazitätsgrenzen stößt. Die Biochemie-Gruppe hat Fertigungsanlagen in Österreich, Indonesien, Italien, Deutschland und Spanien. Über Zukäufe ist das Unternehmen auch in Südamerika präsent. Insgesamt beträgt die Zahl der Mitarbeiter rund 3600, etwa 2000 davon sind in Österreich beschäftigt. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 5.12.2001)