Wien/Graz/Innsbruck - Gegen das seit 1. Oktober um 30 Prozent niedrigere Gehalt für neu eintretende Fachärzte in Ausbildung an den Universitätskliniken haben am Mittwoch hunderte Ärzte in Wien, Graz und Innsbruck protestiert. Mit Slogans wie "SOS Spitzenmedizin" oder "Hilfe! Ärzte in Not - ATS 78 Stundenlohn" kritisierten die Mediziner, dass mit dem neuen Uni-Dienstrecht das monatliche Grundgehalt angehender Fachärzte "auf 14.000 S" netto gesenkt wurde - "ein Monatsgehalt unter dem einer Krankenschwester und wenig über dem einer Raumpflegerin", wie es eine betroffene Ärztin bei der Protestveranstaltung am Wiener AKH formulierte, an der rund 500 Mediziner teilnahmen. An allen drei Klinikstandorten warnten die Ärzte vor den langfristigen Auswirkungen des neuen Dienstrechts. Während bisher für einen Jungmediziner eine Assistentenstelle an einer Uni-Kinik ein besonderes Privileg gewesen sei, werde nun mit einem "Federstrich" die Uni-Laufbahn zur "abschreckendsten und unattraktivsten Option" für Mediziner, betonte etwa der Vizepräsident der Tiroler Ärztekammer, Christoph Brezinka. Es wäre eine "Katastrophe, wenn wi rnicht die Besten bekommen, das würde der Fakultät nachhaltig schaden", sagte der Kuriensprecher des Mittelbaus an der Medizinischen Fakultät der Uni Wien, Anton Luger. Bewerbungsrückgänge In Graz und Wien gibt es nach Angaben der Mediziner bereits Rückgänge bei den Bewerbungen. Für eine Chirurgiestelle gab es bisher 20 bis 25 Kandidaten, jetzt habe sich diese Zahl halbiert, erklärte der Wiener Medizin-Dekan Wolfgang Schütz. Und an der Grazer Kinderklinik haben sich für zwei freie Bundesstellen zehn Bewerber gemeldet, während sich zur selben Zeit für zwei weitere freie Landesstellen 30 Mediziner interessiert haben. Insgesamt gibt es laut Österreichischer Ärztekammer derzeit rund 500 bis 700 angehende Fachärzte. Nach Angaben von Schütz werden anden drei Uni-Kliniken jährlich rund 100 Jungmediziner neueingestellt. Derzeit sind allerdings noch nicht viele Ärzte von der Neuregelung betroffen, in Wien rund 15, in Graz "vier bis fünf". "Zynische Argumentation" Schütz kritisierte die "zynische Argumentation" des Bildungsministeriums in dieser Causa und bezeichnete die Situationals "im hohen Maße ungerecht": Ärzte, die nach dem 1. Oktober eingestellt wurden, würden Schulter an Schulter mit Kollegen, die vordem 1. Oktober eingestellt wurden, die gleiche Arbeit leisten, aber unterschiedlich bezahlt. Probleme mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs beklagen die Mediziner auch in den theoretischen Fächern wie Anatomie. Dort sei es kaum noch möglich, Mediziner zu finden, die sich dafür bewerben. Nach Angaben Lugers gibt es bereits "erste positive Zeichen im Bildungsministerium, dass die Problematik verstanden und berücksichtigt wird". Ohne Reaktion auf die heutigen Proteste werde man sich aber überlegen müssen, "adäquat darauf zu reagieren". Nach Angaben von Peter Schmidt von der Ärztekammer der Steiermark wurden die Hochschulreferenten der Ärztekammer am 12. Dezember zu einem Gespräch mit Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) eingeladen. Gehrer will "vernünftige Gespräche" führen Die Ministerin betonte in Reaktion auf den Protesttag in einer Aussendung, dass "mit Zustimmung der Gewerkschaft" für Jungärzte in Facharztausbildung ein Bruttojahresgehalt von rund 350.000 S und für "Wissenschaftliche Mitarbeiter" in anderen Fakultäten rund 300.000 S vereinbart worden sei. "Wenn eine stärkere Differenzierung notwendigsein sollte, müssen nach einer Evaluierung vernünftige Gespräche geführt werden", so Gehrer. Das Grundgehalt für die angehenden Fachärzte liege bei 25.301,70S. Sie würden durchschnittlich drei Journal- und einen Wochenenddienst im Monat machen und damit im AKH rund 50.000 Schilling brutto monatlich erhalten. "Diese Zulagen für Zusatzdienste sind in den drei Universitätskliniken bedeutend höher als in Landeskrankenhäusern", so Gehrer, die "genau überprüfen will, ob für Jungärzte in Facharztausbildung ein eigenes Gehaltsschema notwendig ist". Diese Verhandlungen seien sachlich zu führen und sollten "vor allem nicht mit Verunsicherungen der Patientenversorgung belastet werden", so die Ministerin. Der FP-Wissenschaftssprecher Martin Graf bezeichnete die Proteste als "unverständlich", da für die Mediziner einige wesentliche Punkte verbessert worden seien: "Statt die Universitätsreform zu unterstützen, wird nur versucht, mehr Geld bei den ohnehin durch Sonderregelungen abgesicherten Universitätskliniken zu erwirken." (APA)