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Foto: APA/Bundesforste
Wien - Noch in diesem Jahr will die Regierung das Forstrecht neu regeln - und damit die Regeln für 47 Prozent des Bundesgebiets. Bei dieser umfangreichsten Forstgesetznovelle seit 1975 drohen aber Umweltbelange unter die Räder zu kommen, fürchtet das "Kuratorium Rettet den Wald". Hauptkritikpunkt der Ökologen ist, dass der Wald zwar in den (unverbindlichen) Grundsatzbestimmungen des Forstgesetzes als unverzichtbarer Lebensraum von Tieren und Pflanzen angesprochen wird, konkrete Verpflichtungen zur Erhaltung dieser Funktion aber nicht enthalten sind. Andreas Tschuggel, Rechtsexperte des Kuratoriums: "Forstliche Raumplanung ist ökologisch blind. In die Novelle gehört eine ökologisch begründete Handlungsverpflichtung, wenn etwa eine Rodung geplant ist." Die Novelle erleichtert den Waldbesitzern die Rodung von kleineren Flächen. Wer weniger als 500 Quadratmeter schlägern will, braucht dies der Behörde nur noch anzuzeigen, eine eigene Bewilligung ist nicht mehr notwendig. Tschuggel: "Da werden die Nachbarrechte völlig übersehen. Wenn einer in einem Haus am Waldrand lebt, kann der nachbarliche Wald eines Tages gerodet werden, ohne dass er auch nur dazu gehört würde." Dieses Problem sieht auch Stefan Schenker, Präsident des Hauptverbandes der Land- und Forstwirtschaftsbetriebe: "Wir könnten uns vorstellen, dass diese erleichtere Anzeigepflicht daran gebunden ist, dass der Anzeige einfach eine Zustimmungserklärung des Nachbarn beigelegt wird." Generell meint Schenker aber, dass der Ökologie sehr weit entgegengekommen wird: "Mit der Möglichkeit, forstgesetzliche Bestimmungen in Nationalparks und Naturschutzgebieten außer Kraft zu setzen, ermöglicht man der Natur hier, sich voll entfalten zu können." Ökologische Vielfalt Vor allem geht es darum, die ökologische Vielfalt zu erhalten: Ließe man der Natur nämlich völlig freien Lauf, würde ein Großteil Österreichs von Wald bedeckt - unrentabel gewordene Wiesen und Almen wachsen bereits jetzt langsam mit Wald zu: Pro Jahr steigt die Waldfläche im Schnitt um 8000 Hektar. Das bestätigt auch Schenker: "Durch die Verwaldung werden längerfristig auch wertvolle Moore und Wiesenbiotope vernichtet." Und dort, wo gezielt (wieder) aufgeforstet wird, droht eine Monokultur von "Stangenäckern", sagen die Umweltschützer - sie verlangen, dass ins Forstgesetz eine Verpflichtung kommt, heimische Baumarten zu bevorzugen: "Standortheimische Baumarten stellen eine Garantie für die natürliche Entwicklung des Waldes, seiner Wirkungen sowie für die Erhaltung der biologischen Vielfalt dar." Gelobt wird am Entwurf von Landwirtschaftstminister Willi Molterer, dass der Naturverjüngung (dem Nachwachsen geschlägerter Bäume) Vorrang vor Aufforstung mit fremdem Pflanzgut der Vorrang eingeräumt wird. Und was vor allem für Wanderer wichtig ist: Die Forstbehörde kann amtswegig überprüfen, ob ein vom Waldeigentümer verhängtes Betretungsverbot rechtens ist. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.12.2001)