Wien/Brüssel - Heftige Reaktionen löste am Mittwoch der STANDARD-Bericht über einen Vorstoß des EU-Forschungskommissärs Philippe Busquin aus. Dieser hatte ja auf einer Pressekonferenz Anfang der Woche in Bonn für das 6. Rahmenprogramm, das von 2002 bis 2006 laufen soll, auch Gelder zur Stammzellgewinnung aus "überzähligen" Embryonen angekündigt. (Diese stammen aus In-vitro-Befruchtung, wenn nicht alle in der Folge in eine Gebärmutter eingesetzt werden.) Dagegen stellt sich nun vor der Sitzung des Forschungsministerrats, der am Montag über das Rahmenprogramm beraten wird, Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. EU-Gelder würden nicht "in alle Formen der Stammzellforschung", fließen, hieß es dazu Mittwoch in einer Presseaussendung. "Förderung von Stammzellforschung mit überzähligen menschlichen embryonalen Stammzellen", betont darin Bildungsministerin Gehrer, "ist aus österreichischer Sicht nicht akzeptabel". Beim Forschungsministerrat der EU liege ein neues Arbeitspapier der EU-Präsidentschaft vor, wonach Forschung mit adulten Stammzellen und existierenden Stammzellenreihen erlaubt sein soll. Das entspräche ziemlich genau den Kriterien, von denen die Bush-Administration in den USA ihre Forschungsförderung abhängig macht. Die bisherigen weitergehenden Vorschläge des europäischen Parlaments hätten, so die Aussendung weiter, keinen Eingang in die neuen Ratspapiere gefunden. Für Aufregung hatte ja der so genannte Caudron-Bericht gesorgt, in dem zwar das Klonen abgelehnt, Forschung an "überzähligen" Embryonen aber befürwortet wurde. (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. 12. 2001)