Paris - Lamine Gueye, der einzige schwarz-afrikanische Teilnehmer bei den Alpin-Bewerben der Olympischen Winterspiele 1992 und 1994, spricht sich scharf gegen die neuen Qualifikations-Richtlinien für die Winterspiele aus und tat dies in einem offenen Brief an den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, auch öffentlich kund. "Bald wird es bei Winterspielen nur mehr Weiße geben, also sollte das IOC den schwarzen Ring aus der Olympischen Fahne entfernen", forderte er."Teilnehmer verschwinden" Der Grund dieser Entwicklung liegt für ihn auf der Hand. "Ich habe alleine im Alpin-Ski-Bereich die aktuellen Qualifikationskriterien mit jenen von 1992 verglichen. Das Ergebnis ist ein Skandal", erklärte der Vorsitzende - und einziges Mitglied - des senegalesischen Ski-Verbandes. "Auf Grund der neuen Regeln sind 71 Teilnehmer im Riesentorlauf und 62 im Slalom einfach verschwunden. 2002 gibt es im RTL um 23 Nationen weniger, im Slalom um 16, insgesamt wurden also 50 Prozent aller Starter gestrichen. Dieses Desaster muss ein Ende haben", begründet Gueye seine Forderung. Keine Chance zur Qualifikation Der 41-jährige Gueye, der sein Leben zwischen Paris, Tignes und Dakar verbringt, wollte sich an und für sich für die Abfahrt der Spiele 2002 in Salt Lake City qualifizieren, stiess aber auf folgendes Problem: Im Rahmen des Südamerika-Cups liess ihn die FIS nicht an den Start gehen, weil er zuviele Punkte auf seinem Konto hatte, für eine Teilnahme an den Weltcuprennen sind es hingegen zu wenige. Drei weitere Abfahrten in Europa, die eine Qualifikation in Aussicht gestellt hätten, wurden aufgrund von Schneemangel abgesagt. Bleibt ein einziges Rennen in Italien Mitte Dezember, dessen Austragung ebenfalls nicht gesichert ist. Es könnte also dazu kommen, dass eine Qualifikation des Senegalesen theoretisch unmöglich wäre. Beschwerdebrief Auf seinen Beschwerdbrief bekam Gueye die unbefriedigende Antwort, die FIS sei nicht für Schneemangel verantwortlich. Seine Schlussfolgerung aus dem Erlebten überrascht kaum: "Hoffnungen und Ambitionen werden zerstört, der olympische Gedanke getötet." (APA/Reuters/red)