New York - Im Prozess um betrügerische Preisabsprachen zwischen den beiden größten Auktionshäusern der Welt, Sotheby's und Christie's, ist am Mittwoch in New York nach eineinhalbtägiger Beratung ein Schuldspruch ergangen. Alfred Taubman, dem 76-jährigen ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Auktionshauses Sotheby's , droht nun eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Taubmans Partner, der frühere Christie's-Vorsitzende Sir Anthony Tennant (71), wurde von Großbritannien nicht an die USA ausgeliefert.Absprachen über Kommissionsgelder Beide sollen über fünfJahre lang heimliche Absprachen über Kommissionsgelder getroffen und diese nach oben gedrückt haben. Verkäufer von Kunstwerken sollen dadurch zwischen 1993 und 1999 um bis zu 400 Millionen Dollar (6,17 Mrd. S) übervorteilt worden sein. Die Staatsanwaltschaft sprach von der seit langem größten Betrugsaktion im internationalen Kunsthandel. Bevor der Prozess am 8. November beginnen konnte, hatten US-Ermittler die beiden im 18. Jahrhundert gegründeten britischen Auktionsunternehmen vier Jahre lang in einer verdeckten Operation beobachtet. Beide Firmen wickeln ihre Geschäfte mittlerweile zum großen Teil in New York ab. Kronzeugin Diana Brooks Zur Anklageerhebung sah sich die Staatsanwaltschaft in der Lage, als die Geschäftsführerin von Sotheby's, Diana Brooks, ein Schuldgeständnis ablegte und sich als Hauptbelastungszeugin zur Verfügung stellte. Sie hofft, dadurch straffrei zu bleiben. Der amerikanische Geschäftsmann Taubman, der sein Vermögen mit dem Bau von Einkaufszentren erwarb, ist immer noch der größte Anteilseigner von Sotheby's. Die Verteidigung konzentrierte sich vor allem darauf, die Glaubwürdigkeit von Brooks in Frage zu stellen, die einst als mächtigste Frau des weltweiten Kunsthandels galt: "Sie ist eine geständige Lügnerin mit einem starken Motiv, nämlich dem Wunsch, nicht selbst im Gefängnis zu landen". In Wirklichkeit hätte, so Taubmans Anwalt, sie die illegalen Preisabsprachen eingefädelt. (APA/dpa)