Chikago/Illinois - Ein weiteres experimentelles Medikament gegen Schlaganfall ist fehlgeschlagen. Hat sich Aptiganel im Tierversuch noch als vielversprechend erwiesen, so ist es bei der Anwendung beim Menschen fehlgeschlagen. Die Versuchspatienten sind entweder gestorben oder zeigten keine Verbesserung ihres Zustands. Die negativen Studienergebnisse wurden im Journal of the American Medical Association eröffentlicht. Gesponsert wurde die Studie vom Entwickler des Medikaments, Boehringer Ingelheim Pharmaceuticals. Für Schlaganfall-Experten dürften die Ergebnisse nicht neu, sondern nur eine weitere Enttäuschung einer Reihe bereits fehlgeschlagener Experimente mit neuroprotektiven Arzneimitteln sein,. Die letzten Ergebnisse beziehen sich auf 628 Schlaganfallpatienten in 156 US-Kliniken und anderen Ländern. Drei Monate nach der Behandlung starben rund 26 Prozent der mit hohen Dosen behandelten Aptiganel-Patienten – verglichen dazu starben 22,5 Patienten bei niedrigdosierter und rund 19 Prozent ohne Medikation. Zudem hatten Aptiganel-Patienten mehr Nebenerscheinungen. Aptiganel zählt zur so genannten neuroprotektiven Medikamentengruppe. Obwohl bisher die Ergebnisse weitgehend negativ waren, haben Forscher die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben, so der Studienleiter, Gregrory Albers vom Stanford Stroke Center. Derartige Substanzen sollen eine zerstörerische chemische Kettenreaktion im Gehirn nach einem ischämischen Schlaganfall (der häufigsten Art des Schlaganfalls) verhindern. Das einzig zugelassene Medikament gegen Schlaganfall TPA wirkt allerdings, indem es einer Blutverklumpung, wie sie bei einem Schlaganfall auftritt, entgegenwirkt. Nachteil von TPA: Es wirkt nur innerhalb der ersten drei Stunden nach dem Eintritt des Schlaganfalls. Diesen Zeitraum wollte man mit Aptiganel verlängern. Im Jama-Editorial kritisieren Wissenschaftler wie Kyra Becker und David Tirschwell von der University of Washington derartige Experimente. Trotz schlechter Prognosen während der Studie werden Experimente mit Patienten fortgesetzt. Sie fordern aus Sicherheitsgründen für Patienten zum früheren Abbruch von Versuchen auf. (pte)