Wien - Im Vorfeld des im Frühjahr 2002 zu vergebenden Auftrags der Asfinag (Autobahnen- und Schnellstraßen-FinanzierungsAG) für ein österreichweites elektronisches Mautsystem für Lkw tobt ein Expertenstreit. Kernfrage ist derzeit, mit welcher Technologie das Mautsystem sinnvollerweise aufgebaut werden soll: auf Basis von Mikrowelle oder von GSM/GPRS? Bei der Asfinag, die beim nun abgeschlossenen "Schön- heitswettbewerb" im Gegensatz zu früher keine spezielle Technologie vorschrieb, gibt man sich neutral. "Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Beide Systeme sind oder kommen in der EU zum Einsatz", sagt Asfinag-Pressesprecher Harald Dirnbacher. Allerdings dürfte das Pendel in Richtung der technologisch zukunftsträchtigeren GSM/GPRS-Variante ausschlagen, hat sich doch Deutschland kürzlich für ein solches System ausgesprochen und geht der grenzüberschreitende Lkw-Verkehr hauptsächlich dorthin. Eine Expertenbefragung zum Thema, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut OGM, kommt auf eine leichte Mehrheit für ein GSM-System. Da keine besonderen baulichen Maßnahmen getätigt werden müssten - die Mobilfunknetze sind vorhanden -, wird erwartet, dass Aufbau und Betrieb mit geringeren Kosten durchgeführt werden können. Für die Mikrowellentechnik (es sind dies die von Italiens Autobahnen bekannten Abrechnungsstellen mit "Galgen", durch die der Lkw durchfährt) spricht, dass die Technologie ausgereift ist und dass die "On-Board-Units", also die Geräte, die der Lkw zu Abrechnungszwecken und Standorterfassung an Bord haben muss, kostengünstiger sind. Es wird geschätzt, dass ein mikrowellentaugliches Gerät rund 200 Schilling/14,5 EURO kostet, ein GSM/GPRS-On-Board-Unit jedoch an die 10.000 Schilling. Über die ungefähre Höhe des Milliardenauftrags gibt man sich bei der Asfinag verschlossen. Es gebe einige (maximal fünf, d. Red .) Konsortien, die zur Angebotslegung - und zwar Errichtung und Betrieb - aufgefordert würden. In Deutschland wird das Konsortium von Daimler und Deutsche Telekom angeführt. Die zukünftigen Tarife dürften je nach Lkw-Klasse zwischen zwei und vier Schilling pro Kilometer betragen. Damit wird aber klar, wie viel Geld die Transportbranche ab voraussichtlich 2003 in die Hand nehmen wird müssen: bei dann geschätzten 3,3 Milliarden Lkw-Kilometern mindestens 6,6 Mrd. (Johanna Ruzicka, Der Standard, Printausgabe, 07.12.01)