Die nächsten Tage werden entscheiden, in welche Richtung sich der Nahostkonflikt erst einmal weiter entwickelt, ob die Versuche, die israelisch-palästinensischen Auseinandersetzungen in den Griff zu bekommen, überhaupt noch aktuell sind. Von der israelischen Regierung weiter geschmäht, hat Yassir Arafat am Mittwoch die Hamas erstmals offen herausgefordert, er konnte sich nicht länger davor drücken. Palästinensische Polizisten schossen auf Hamas-Anhänger, einer von ihnen wurde getötet und reiht sich als "Märtyrer" in die Reihe der Opfer der Intifada ein. Für manche Beobachter wurde damit der Weg zu einem Bürgerkrieg eingeschlagen, diese Möglichkeit wird von manchen Israelis durchaus pragmatisch betrachtet: Erstens wird Energie vom Aufstand gegen Israel abgezogen, und zweitens werden vielleicht die Verhältnisse geklärt, und man weiß wieder, mit wem man verhandeln muss. Divide et impera funktioniert nicht mehr.

Vereinfacht gesagt, gibt es drei Gruppen, die dabei eine Rolle spielen werden (die wenigen, völlig marginalisierten linksliberalen Demokraten werden nicht dazugehören): die alte Garde der ehemaligen Exilanten um Arafat, die neue (laizistische) Garde, die die Intifada für ihren Aufstieg benützt, und die Islamisten. Die Hamas, in ihren Anfängen als PLO-Konkurrenz von Israel mit freundlichen Augen betrachtet (das ist die harmloseste Version der Geschichte), ist in den letzten Monaten, aber eigentlich schon Jahren kontinuierlich in der Gunst der Palästinenser gestiegen. Das ist nicht einzig der israelischen Besatzung anzulasten, was aus der Tatsache deutlich wird, dass die Hamas laut Umfragen bei palästinensischen Frauen überdurchschnittlich gut ankommt: wegen ihrer sozialen Leistungen, die die korrupte und unfähige Palästinenserbehörde den Menschen schuldig bleibt. Zwischen dem Hammer Israel und dem Amboss Arafat bleibt nur selbstmörderische Verzweiflung.

(DER STANDARD, Printausgabe, 7.12.2001)