Wien - Der Zusammenhang zwischen Stamm- und Tumorzellen ist gesichert, viele Details vor allem über die Signalstoffe sind unerforscht. Nun sind Wissenschafter einen wichtigen Schritt weiter. Der Oberösterreicher Josef Penninger, der beim Biotech- riesen Amgen in Toronto, Kanada, wirkt, analysiert in der aktuellen Ausgabe von Science (Nr. 294, S. 2116) die Rolle eines Gens mit dem Namen PTEN anhand neuer, faszinierender Erkenntnisse seines Kollegen Matthias Groszer von der University of California in Los Angeles. Auf dem Chromosom 10 angesiedelt, steuert PTEN die Unterdrückung der Tumorbildung, aber auch das Wachstum neuronaler Stammzellen. Und so haben die Wissenschafter den Zusammenhang entdeckt: Mäuse, denen verschiedene PTEN-Mutationen verpasst wurden, wurden auf ihre Tumoranfälligkeit hin verglichen. Dabei zeigte sich, dass ein und dieselbe Mutation bei verschiedenen Geweben mit unterschiedlich starker Tumorbildung einhergeht. Und vor allem, dass PTEN - über eine biochemische Kaskade - nicht nur Tumoren hemmt, sondern auch das Wachstum neuronaler Stammzellen. Und das sowohl im Körper als auch in vitro. Ein Mangel an diesem Gen, schließen die Forscher, führt zu stärkerer Vermehrung und Selbsterneuerung der Stammzellen. "Das ist eine aufregende Perspektive", kommentiert der erfahrene PTEN-Forscher Penninger im Gespräch mit dem STANDARD. "Denn das würde bedeuten, dass wir so eine größere Zahl von Nervenzellen für die Forschung züchten könnten." Die freudige Erregung liegt an der Tatsache, dass neuronale Stammzellen ein rares Gut sind. Und obendrein der Auslöser für die deutsche Debatte um die Embryonenforschung. Denn sie gelten als Weg zu einer möglichen Therapie für schwere Nervenkrankheiten wie Par- kinson. Gen mit Januskopf Doch die neue Erkenntnis über das Signalprotein des PTEN-Gens zeigt auch dessen Janusköpfigkeit. Wer mit PTEN-Hilfe mehr Stammzellen gewinnen will, muss zuerst die krebsfördernde Nebenwirkung von dessen Inaktivierung umgehen. "Sollten wir", resümiert Penninger, "hier tatsächlich einen modernen Heiligen Gral gefunden haben, müssen wir sicherstellen, dass er kein Gift enthält." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8./9. 12. 2001)