Wien - Mit scharfen Worten hat SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer den Semperit-Gipfel am Freitag im Wirtschaftsministerium kritisiert. Das Treffen mit der Semperit-Geschäftsführung, dem Betriebsrat und Vertretern des Arbeitsmarktservices (AMS) habe rein "defensiven Charakter", die Regierung zeige damit "resignative Passivität", meinte Gusenbauer am Freitag in einer Aussendung. Der SPÖ-Chef forderte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel auf direkt mit Continental in Verhandlung zu treten, "um in allerletzter Sekunde doch noch einen Verkauf und damit eine österreichische Lösung zu erreichen". Bei Gesprächen hätten laut Gusenbauer auch die "Förderungen der Vergangenheit thematisiert werden sollen". Conti habe mit dem Werk in Traiskirchen lange Jahre gutes Geld verdient und Fördermittel nicht zu knapp in Anspruch genommen. Außerdem müsse Conti klargemacht werden, dass bei einer Werksschließung "der österreichische Markt für Semperit verloren wäre". Der SPÖ-Chef rechnet damit, dass die Schließung des Semperit-Werks einen Kaufboykott gegen Conti-Produkte zur Folge hätte. Auch das Auftragspotenzial des Bundes sollte vom Bundeskanzler ins Treffen geführt werden, verlangt Gusenbauer. Schüssel habe sich schon bei kleineren Unternehmen mit weit weniger Beschäftigen - etwa im Fall Bösendorfer - "sehr persönlich engagiert, auch die Beschäftigten von Semperit verdienen daher die Aufmerksamkeit des Bundeskanzlers", meint der SPÖ-Chef. Onodi: Schließung ist Herausforderung Die angekündigte Schließung des Semperit-Werkes in Traiskirchen durch den Conti-Konzern stelle die Landespolitik vor große Herausforderungen, so Niederösterreichs LHStv. Heidemaria Onodi (S) am Freitag. Nicht nur der drohende Verlust von 1.500 Arbeitsplätzen bei Semperit selbst sowie von Hunderten weiteren Jobs bei Zuliefer- und Dienstleistungsbetrieben, sondern auch die offensichtliche Ignoranz von internationalen Konzernen gegenüber dem mit großen Vorteilen ausgestatteten Wirtschaftsstandort Niederösterreich bedürfe neuer Anstrengungen. (APA)