Norfolk - Der US-Präsident George W. Bush hat am Freitag die kompromisslose Fortsetzung des Feldzuges gegen den Terrorismus angekündigt. Er werde bis zum Sieg geführt werden, sagte Bush in einer Rede zum 60. Jahrestag des japanischen Überfalles auf Pearl Harbor, der die USA zum Eintritt in den Zweiten Weltkrieg bewog. Bush sprach auf dem Flugzeugträger "Enterprise", der sich bis vor Kurzem an dem Luftkrieg in Afghanistan gegen die mutmaßlichen Urheber der Anschläge vom 11. September und deren Komplizen beteiligt hatte. Am Tag der Kapitulation der letzten Bastion der radikal- islamischen Taliban-Bewegung in Afghanistan, Kandahar, sagte Bush, der Feldzug in Afghanistan sei "noch lange nicht vorbei". Doch trotz der bevorstehenden schwierigen und gefährlichen Aufgaben werde er "nicht mit einem Waffenstillstand oder einem Vertrag enden. Er wird mit einem Sieg der Vereinigten Staaten, unserer Freunde und der Sache der Freiheit enden". Die Taliban hatten Afghanistan seit Ende 1996 zu weiten Teilen beherrscht und dem Islamisten Osama bin Laden mit seiner Organisation El Kaida Unterschlupf gewährt. In Anspielung auf die Fahndung nach Bin Laden und der übrigen Führung der El Kaida, nach denen in den Bergen nördlich Kandahars gesucht wird, sagte Bush: "Viele Terroristen verbergen sich noch in stark befestigten Bunkern in sehr zerklüftetem Gebiet. Es wird gesagt, sie hätten sich auf einen langen Aufenthalt unter der Erde eingerichtet. Aber sie müssen sich auf eine plötzliche Änderung ihrer Pläne gefasst machen; denn wir werden sie finden und ihr Terroristennetz Stück für Stück zerfetzen." Der Oberkommandeur des Afghanistan-Feldzuges, General Tommy Franks, sagte in seiner Kommandozentrale in Tampa/Florida, die Lage in Kandahar sei noch verworren. Es werde zwei oder drei Tage dauern, bis Klarheit herrsche. Die US-Truppen in der Gegend bemühten sich gemeinsam mit den Taliban-Gegnern, eine Flucht der Kampfverbände Omars und Bin Ladens zu verhindern. Er wollte nicht ausschließen, dass Marineinfanterie nach Kandahar einrückt. Die Regierung Bush hat auf Bin Laden und die anderen Führungsmitglieder seiner Organisation Kopfgelder von 25 Millionen Dollar (28,1 Mill. Euro/387 Mill. S) ausgesetzt und will sie in den USA vor Gericht bringen. Mullah Omar, der seit der Kapitulation Kandahars verschwunden ist, soll in Afghanistan der Prozess gemacht werden. Unterdessen zog der Ex-Gouverneur von Kandahar, Haji Gul Agha, nach Angaben aus seiner Umgebung wieder in seine frühere Residenz in der südafghanischen Stadt ein, um seinen Machtanspruch zu verdeutlichen. "Er will den Job, also will er das Haus", sagte ein Stammesältester. Zuvor hätten sich Aghas Truppen heftige Gefechte mit Kämpfern des Anti-Taliban-Kommandeurs Mullah Nakibullah geliefert. Nakibullah war nach der Kapitulation der Taliban in Kandahar die Kontrolle übergeben worden. (APA/Reuters)