Villach - Ist ein Weltcup-Springen von der Normalschanze nur noch ein Alibi-Bewerb und quasi vom "Aussterben" bedroht? Geht es nach der Meinung einiger Springer, dann ist diese Frage mit Ja zu beantworten. "Die meisten Springer interessiert das nicht", meinte Stefan Horngacher, der Erfahrenste im ÖSV-Team im Rahmen des einzigen Weltcups von der kleinen Schanze in Villach. "Da hängst drei Meter in der Luft und dann weißt, dass es dich unten zusammenstauchen wird", machte "Steff" kein Hehl aus seiner Abneigung gegen den kleinen Bakken. Ein einziger 90-m-Schanzen-Schauplatz Villach ist in der Weltcup-Saison 2001/02 der einzige Schauplatz mit einer 90-m-Schanze und gilt als Generalprobe für die Olympischen Spiele. Die Tatsache, dass bei Olympia und Weltmeisterschaften noch Medaillensätze vergeben werden, hält die 90-m-Schanze ebenso am Leben wie wohl auch finanzielle Gründe. In Villach ist die Alpenarena derzeit der einzige weiße Streifen im Landschaftsbild und je größer die Schanze, umso mehr Präparierungsaufwand bzw. umso mehr Schnee muss produziert werden. "Das sollte weniger das Problem sein, im alpinen Weltcup schaffen sie's ja auch, ganze Pisten herzurichten", lässt Andreas Goldberger dieses Argument nicht gelten. "Man sieht das Interesse eh, wenn einige Springer gar nicht erst an den Start gehen", meinte "Goldi" zur Situation nach der Absage von u.a. Martin Schmitt. "Es wäre halt schade, weil ja auch noch bei Olympia von der kleinen Schanze gesprungen wird. Dann müsste man halt stattdessen das Skifliegen in die Bewerbe nehmen." Der Absprung als Kriterium Horngacher und Goldberger gelten als Flieger-Typen, für Martin Höllwarth stellt sich die Problematik weniger krass dar. "Die Leute, die in der Absprungkraft ein Manko haben, mögen die kleinen Schanzen nicht so sehr. Ich finde, dass man auf dem kleinen Bakken sogar den besseren und zumeist spannenderen Wettkampf sieht", sagte "Hölli", der ebenso wie Goldberger, Horngacher sowie Wolfgang Loitzl in Lahti Normalschanzen-Weltmeister mit der Mannschaft geworden war. Allerdings entscheidet da vielleicht schon eine etwas schlechtere Haltungsnote über mehrere Plätze, so eng ging es auch Samstag im Einzelbewerb zu. "Wir trainieren halt die meiste Zeit auf der kleinen Schanze. Der Absprung ist das Kriterium", meinte Loitzl. Von den Spitzennationen verfügt Österreich als Einzige vorerst noch über keine permanent präparierte Großschanze. Loitzl kamen die Bewerbe auf der kleineren Schanze aber entgegen, da man auf Grund der geringeren Anlaufgeschwindigkeit mehr Zeit hat und besser an der Technik feilen kann. Eine Frage der Unterhaltung Auch Cheftrainer Toni Innauer bricht seinerseits eine Lanze für die Normalschanze. "Letztlich entscheidet der Wind auf der Normalschanze weniger krass, als bei einer großen." In der Öffentlichkeit sei vielleicht ein wenig das Bild, dass "alles, was unter 100 m ist, keine Leistung ist", vertreten, aber dem sei nicht so. "Vielleicht stehe ich mit dieser Meinung auch alleine da. Aber es ist auch eine Frage, wie die Unterhaltung verkauft wird. Ich finde auch in der Leichtathletik den 200-m-Lauf nicht uninteressanter als den 100-m-Lauf." (APA)