Washington/Brüssel - Die US-Handelsbehörde ITC will die amerikanische Stahlindustrie mit hohen Sonderzöllen auf einen Großteil der Stahlimporte schützen. Die unabhängige ITC (International Trade Commission) empfahl Präsident George W. Bush, Sonderzölle zwischen 5 und 40 Prozent auf 16 Kategorien von Stahlprodukten einzuführen. Diese machen zusammen etwa 80 Prozent der US-Stahlimporte aus. Die EU übte scharfe Kritik an dem Vorhaben. Nach Ansicht der deutschen Stahlindustrie verstößt die Empfehlung gegen die Regeln der Welthandelsorganisation WTO. Bush muss bis Februar 2002 festlegen, ob und welche Einfuhrbeschränkungen er einführt. Die amerikanische Stahlindustrie hatte im Rahmen von Kapitel 201 des Handelsgesetzes Schutz gegen Stahleinfuhren gefordert. Die ITC hatte bereits entschieden, dass die US-Stahlhersteller durch die Importe schwer geschädigt worden sind. Einige ITC-Mitglieder empfahlen auch Einfuhrquoten oder ihre Kombination mit Zöllen, um der Stahlindustrie zu helfen. Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen Die US-Stahlkonzerne, von denen sich 26 in Konkursverfahren befinden, begrüßten die ITC-Empfehlungen. Diese gingen ihnen jedoch teilweise nicht weit genug. Die Gewerkschaft der Stahlarbeiter verwies auf den Verlust von fast 30.000 Arbeitsplätzen und von 13 Millionen Tonnen Stahlkapazität durch "unfaire Stahlimporte". Die großen integrierten US-Stahlkonzerne forderten Bush auf, Zölle von 40 Prozent auf Einfuhren sämtlicher importierter Flachwalzprodukte zu verhängen. Scharfe EU-Kritik Die EU rief die US-Regierung auf, die Empfehlung der ITC zurückzuweisen. "Die Stahlindustrie der USA muss ihr eigenes Haus in Ordnung bringen. Das sollte nicht auf Kosten anderer geschehen, die das schon gemacht haben", sagte EU-Handelskommissar Pascal Lamy in Brüssel. Die Empfehlung sei "ein beunruhigend negatives Signal an den Rest der Welt". Damit könne der US-Markt praktisch abgeschottet werden. Die Stahlverarbeiter kritisierten die Kommissionsempfehlungen. Sie könnten nach Darstellung von Experten zu Preiserhöhungen für Autos, Haushaltsgeräte und andere Produkte führen. Hidenori Tawaza, der Leiter des japanischen Stahlinformationzentrums, verwies auf rückläufige US-Stahleinfuhren im laufenden Jahr. Die amerikanische Stahlindustrie leide, weil sie unmoderne und unwirtschaftliche Werke betreibe. 27,5 Millionen Tonnen Importvolumen Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung wird für die USA heuer ein Importvolumen von rund 27,5 Millionen Tonnen erwartet, 5,6 Millionen Tonnen aus der EU und 1,6 Millionen Tonnen aus Deutschland. Der EU-Markt dagegen müsse in diesem Jahr mit Einfuhren in Höhe von rund 30 Millionen Tonnen Stahl ein Rekordvolumen verkraften und liege damit beim Import erstmals über den Exporten in die USA. (APA/dpa)