Hamburg/München - Nach dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler in der Bildungsstudie "PISA" ist eine Debatte um Unterrichtsmodelle entbrannt. Politiker von CSU und FDP forderten die Einführung einer verpflichtenden Vorschule. FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper kritisierte, Deutschland hätte bei der Wiedervereinigung mehr vom ostdeutschen Bildungssystem übernehmen müssen."Systematische Unterforderung in der Grundschule" Nach Ansicht der Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Annette Schavan, ist die "systematische Unterforderung in der Grundschule" eine der Hauptursachen für das schlechte Ergebnis. Die EU-Bildungskommissarin Viviane Reding mahnte ebenfalls Verbesserungen im deutschen Bildungssystem an. Die Vorschule müssten alle Kinder ab fünf Jahren besuchen, sagte die Vorsitzende des Bildungsauschusses im Bundestag, die FDP-Politikerin Ulrike Flach, im "Focus". Lernschwache sollten außerdem zu Förderkursen in den Ferien verpflichtet werden. Der Vorsitzende der Jungen Union Bayerns, Markus Söder, sagte in der "Welt am Sonntag", es müsse auch eine Vorschulpflicht für Kinder nicht-deutscher Herkunft geben. Die baden-württembergische Ministerin Schavan (CDU) kritisierte in der "Welt" (Samstagausgabe) die "spielerische" Grundschule: "Wir schulen zu spät ein, wir erteilen zu wenig ernsthaften Unterricht, wir scheuen die Benotung". Modellhaft Pieper wies im DeutschlandRadio auf die Begabtenförderung in der DDR hin. Es habe damals sehr viele Schulen mit einem besonderen Profil gegeben, sagte sie weiter. Es müsse künftig nicht nur auf Leistungseliten im Sport, sondern auch in den Naturwissenschaften und im musischen Bereich gesetzt werden. Auch habe es in der DDR kürzere Ausbildungs- und Studienzeiten gegeben. Pieper forderte die flächendeckende Einführung des Abiturs (Matura) nach zwölf Jahren. Nach Ansicht von Klaus-Jürgen Tillmann vom PISA-Forscherteam ist Deutschland auf Grund der hohen Zahl der schlechten Schüler aus sozialschwachen und Einwanderer-Familien "der Weltmeister der sozialen Differenz". An einen Aufschwung für die Gesamtschule glaubt er jedoch nicht, sagte er dem "Focus". Eine Schule "für alle" sei "politisch leider nicht durchzusetzen". Zukunftsinvestition In der "Bild am Sonntag" (BamS") sprach Reding von einem "Alarmsignal". In vielen Ländern Europas einschließlich Deutschland sei es notwendig, den Rückstand im Bereich der Grundkenntnisse - Lesen, Fremdsprachen, Mathematik, Naturwissenschaften - nachzuholen und gleichzeitig die Schüler auf die Anwendung der Informationstechnologien vorzubereiten, betonte sie. Dies erfordere "nicht unbedingt mehr Geld, aber ohne Zweifel neue Lösungen und mehr Effizienz in unseren Schulsystemen". Reding warnte vor Auswirkungen auf die Wirtschaft, sollten sich die Fähigkeiten der Schüler nicht verbessern. "Ein gutes Bildungsniveau aller Bürger ist die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung in unseren Ländern", sagte die luxemburgische Politikerin. Die Kommissarin warf EU-Mitgliedstaaten vor, nicht rechtzeitig auf die Bildungskrise reagiert zu haben: "Alle - Eltern, Lehrer, Politik - haben sicherlich zu selbstverständlich darauf vertraut, dass keine zusätzlichen Anstrengungen nötig sind."(APA)