Die auf Sparkurs befindliche Post macht ihren reichhaltigen Immobilienbesitz zu Bargeld. Diese Woche hat der Aufsichtsrat des gelben Riesen beschlossen, das Nobelgrundstück in Sievering samt zwei Villen, Nebengebäuden und Parkgrundstücken auf den Markt zu werfen. Den Gesamtwert der 36.000 Quadratmeter großen Nobelimmobilie beziffert ein Kapitalvertreter im Postaufsichtsrat mit 118 Millionen Schilling (8,57 Mio. EURO). Herzstück der weitläufigen Anlage, die von der Post & Telekom Immobilien Gesellschaft (PTI) auf ihre Verwertbarkeit abgeklopft wurde und die bis vor einem halben Jahr die Fernmeldemonteurschule der Telekom Austria beherbergt hat, ist die "Gelbe Villa" an der Sieveringer Straße in Döbling. Auf diese hatte es im Vorjahr übrigens Bundespräsident Thomas Klestil abgesehen, der von der sanierungsbedürftigen Hohen Warte wegziehen wollte. Desolater Zustand Dem Vernehmen nach scheiterte der Immobilientransfer von der staatlichen Post an den Bund am Kaufpreis. Die Post beziffert den Wert der mittlerweile heruntergekommenen Residenz mit 33 Millionen Schilling. Villa und Nebengebäude seien in schlechtem Zustand, litten unter Feuchtigkeitsschäden und seien nur mehr als Rohbausubstanz zu werten, heißt es. Um Nazi-Raubgut, wie zwischenzeitlich kolportiert wurde, handle es sich jedoch nicht. Das hätten Historiker bestätigt, betont man bei der PTI. Geräumt und Geviertelt Unbestätigten Informationen zufolge gehören zu den drei Hauptinteressenten eine Investorengruppe rund um Ariel Muzicant, den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, und der Wiener Anwalt Andreas Grohs. Ein Gesamtverkauf erhält gegenüber einer Verwertung in Teilflächen den Vorzug. Verkauft werden je eine Villa mit Nebengebäuden an der Sieveringer Straße 245 bzw. an der Salmannsdorfer Höhe 10 sowie, daran angrenzend, je ein Bauplatz. Lukriert der Käufer bei einem Weiterverkauf der Gelben Villa mehr als 33 Millionen Schilling, stehe der Post ein Nachschlag zu, sagt ein Insider. An den beiden Bauplätzen dürften Bauträgergesellschaften Gefallen finden, handelt es sich dabei doch um beste Lagen für hochpreisiges Wohnungseigentum. Der Quadratmeterpreis dürfte deutlich über 12.000 S liegen. Beim Posteigentümer, der Staatsholding ÖIAG, befürchtet man nun, die Post lukriere mit 118 Mio. S nur einen Bruchteil des erzielbaren Wertes. Allerdings sind einzelne Teilflächen als Parkschutzgebiet gewidmet, was den Wert erheblich mindere und die Bebauungsmöglichkeiten einschränke, heißt es in einem internen Papier der Post. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8./9. 12. 2001)