München - Auch nach dem Übernahme-Dementi des Medienmoguls Rupert Murdoch ist die finanzielle Situation der KirchGruppe unklar. Die Dresdner Bank habe nach Angaben aus Finanzkreisen die Rückzahlung eines Kredits gefordert, der noch vor Weihnachten fällig werde, berichtete das "Handelsblatt" (Dienstag). Weitere Verpflichtungen in dreistelliger Millionenhöhe müsse die KirchGruppe im Jänner und im April begleichen. Diese Schwäche könne der australisch-amerikanische Medienunternehmer Rupert Murdoch mit seinem Konzern News Corp nutzen, um bei der KirchGruppe maßgeblichen Einfluss zu gewinnen. Die Fusion der KirchMedia mit dem Fernsehkonzern ProSiebenSAT.1 treibt die KirchGruppe unterdessen unabhängig von der Übernahmegefahr voran. Bankenbeziehungen nicht kommentiert Die Dresdner Bank hatte bereits am Montag keine Stellungnahme zu möglichen Krediten abgegeben. Auch ein Sprecher der KirchGruppe sagte am Dienstag lediglich: "Wir kommentieren unsere Beziehungen zu Banken grundsätzlich nicht." In den vergangenen Tagen war über eine drohende feindliche Übernahme der KirchGruppe durch Murdoch spekuliert worden. Die KirchGruppe nahm die Bedrohung nach Angaben aus Branchenkreisen sehr ernst. News Corp erklärte dagegen am Montag in New York, nicht an einer feindlichen Übernahme interessiert zu sein. News Corp arbeite lediglich mit der KirchGruppe zusammen, um das Geschäft in Deutschland zu stärken. Derzeit mit 2,48 Prozent an der KirchMedia beteiligt Derzeit ist Murdoch mit 2,48 Prozent an der KirchMedia beteiligt, in der das profitable Kerngeschäft der KirchGruppe rund um den Rechtehandel und das frei empfangbare Fernsehen gebündelt ist. An der KirchPayTV mit dem verlustreichen Premiere World hält er 22 Prozent. Erreicht das Pay TV-Angebot bis Herbst 2002 nicht genau festgelegte Ziele, kann Murdoch die Anteile zurückgeben. Kirch müsste ihm dann dem Vernehmen nach seinen Einstiegspreis plus Zinsen zurückzahlen - laut Medienberichten zwei Mrd. Euro (27,5 Mrd. S) Die KirchMedia GmbH & Co KGaA beschloss nach Angaben der KirchGruppe auf einer außerordentlichen Sitzung die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Zum Aufsichtsratschef wurde Jan Mojto bestimmt. Den Vorstandsvorsitz führt Kirch-Vize Dieter Hahn. Im Vorstand sitzen außerdem Fred Kogel (Produktion und Handel) als Stellvertreter, Alexander Liegl (Sport), Karl Mauthe (Technische Dienstleistungen) und Herbert Schroder (Finanzen). Die KirchMedia soll Mitte 2002 mit der Tochtergesellschaft ProSiebenSAT.1 Media AG zu einem der größten börsennotierten Medienkonzerne in Europa verschmolzen werden. An der Börse wird dann nur noch die neue KirchMedia AG mit einem Jahresumsatz von etwa 3,5 Mrd. Euro notiert sein.(APA/dpa)