Wien - Der Streit um die Restitution der Sportanlage des jüdischen Vereins Hakoah geht in eine entscheidende Phase. Hinter den Kulissen wird heftig zwischen Stadt Wien, Bund, Landwirtschaftsministerium und Denkmalamt verhandelt. Dem Vernehmen könnte nächste Woche eine Standortlösung präsentiert werden.

Die Debatte um Hakoah dauert bereits seit mehr als einem Jahrzehnt. Neben dem von der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) favorisierten Platz im Augarten, ist auch die Rückgabe des ursprünglichen Pratergeländes in mehreren Varianten in Diskussion. Geplant ist ein großteils unterirdisch angelegtes Projekt mit Sporthalle, Fitnesscenter, Tischtennis und Squash, Sauna und Restaurant um 120 Millionen Schilling (8,7 Mio. Euro). Das ist genau jene Summe, die sich Österreich im Jänner 2001 zu zahlen verpflichtet hat, um die vertriebenen Hakoahner nach mehr als sechs Jahrzehnten endlich zu entschädigen.

Gegen das Augartenprojekt macht - nach Anrainern und Bezirkspolitikern - auch die Wiener Volkspartei Stimmung: Nach Ansicht von Klubobmann Bernhard Görg wird Hakoah "definitiv nicht im Augarten" wiederentstehen können.

Parteien uneinig

Um dies "unmissverständlich klarzumachen", will Görg kommenden Freitag im Gemeinderat einen Vier-Parteien-Beschluss erreichen: Es soll festgelegt werden, dass der Denkmalschutz über dem Sportplatz steht.

Aber seitens der SPÖ will Klubchef Christian Oxonitsch "keinen Präjudizbeschluss" unterstützen, der die laufenden Verhandlungen über die Rückgabe des 1938 von den Nationalsozialisten konfiszierten Sportgeländes stören könnte. Grüne und FP wollen "zuerst den VP-Antrag sehen", bevor sie entscheiden. Grundsätzlich sind beide gegen den Standort im Augarten.

Eine Kommission habe bereits mehrere verschiedene Standorte geprüft und jenen im Augarten bei der Baumschule/Eingang Castellezgasse für den besten befunden, argumentiert dagegen IKG-Präsident Ariel Muzicant für das Wunschprojekt.

Görg schlägt vor, den Sportplatz der Kultusgemeinde am Nordbahnhofareal zu errichten. Dort gebe es auch eine Verkehrsanbindung. Ein Vorschlag, an dem auch die Bezirks-FPÖ in der Leopoldstadt Gefallen findet. Allerdings ist das Gelände müllbeladen und kontaminiert.

Görgs Vorschlag kommentiert Muzicant deutlich: "Das ist gelinde gesagt, eine Frechheit." Die Sanierung des Areals würde zwei Jahre dauern, die Bemühung der IKG ihr Eigentum zurückzubekommen, weiterhin verzögert. Er, Muzicant, lasse sich "nicht mehr im Kreis schicken". (aw/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2001)