Wien - Eine "unselige Koalition aus Hofratsenkerl und kleinem Mann" habe die Abschaffung der Friedenskronenmiete bei der jüngsten Reform des Mietrechts abermals verhindert, ärgert sich Wolfgang Louzek, Präsident des Verbandes institutioneller Immobilieninvestoren. "Statt dem wirtschaftlich sinnvollen Eingriff in uralte, marktfremde Miethöhen, feiert der Friedenskronenzins aus 1914 fröhliche Urständ", so Louzek. Der Innsbrucker Universitätsprofessor Gottfried Call schätzt, dass es bundesweit 30.000 bis 45.000 Wohnungen und Geschäfte mit Friedenskronenzins gibt, in denen die Mieter im Höchstfall 36,30 S/m² Miete zahlen, meistens aber deutlich weniger. So gebe es Fälle, wo für eine 100 m² große Wohnung monatlich nur 350 S (25,4 EURO) bezahlt werden. Beide Experten wiesen daraufhin, dass mit der Friedenskrone keinerlei Schutzfunktion mehr verbunden sei. Die sprichwörtliche Hofratswitwe sei mittlerweile verstorben, heute wohnen die Erben als privilegierte Billigstmieter in Friedenskronenwohnungen, betonte Louzek. Für den Vermieter gebe es daher keinerlei Anlass, mehr als das Allernotwendigste in das Haus zu investieren. (cr, DER STANDARD, Printausgabe 12.12.2001)