Der führende österreichische Prionenforscher Herbert Budka, Vorstand des klinischen Instituts für Neurologie am Wiener AKH, ist sich sicher, dass beim ersten österreichischen BSE-Fall "auch diese Kuh durch BSE-kontaminiertes Material angesteckt wurde, und zwar so gut wie sicher durch Nahrungsmittel". Für alle anderen Möglichkeiten gibt es einfach keine Anhaltspunkte: Weder wurde bisher, so Budka am Dienstag, ein spontaner Ausbruch der Krankheit bei Tieren beobachtet, noch gebe es bisher Hinweise auf erbliche Übertragung bei Tieren. Und auch Impfungen scheiden laut Experten-Meinung als Infektionsquelle aus. Während die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankungen (CJD) beim Menschen, in ihrer klassischen "sporadischen" Form, in seltenen Fällen (ein Mensch pro Million Einwohner pro Jahr) spontan, also ohne äußere Ursachen auftreten könne, sei dies bei Rindern oder anderen Tieren bisher noch nie beobachtet worden, sagte Budka. Dass dies doch möglich ist, sei natürlich nicht völlig auszuschließen. Das stärkste Argument dagegen sei aber, dass der Erreger - sogenannte Prionen - bei allen BSE-Fällen in Großbritannien, Frankreich und Schweiz die gleichen Eigenschaften hatten, "alle Prionen konnte man einem Stamm exakt zuordnen". Bei Scrapie dagegen, einer BSE-ähnlichen Erkrankung beim Schaf, die man schon seit hunderten Jahren kennt, seien die Erreger-Stämme äußerst unterschiedlich. Dass alle BSE-Fälle von Erregern eines Stamms verursacht wurden, lässt laut Budka den Schluss zu, dass alle Erkrankungen von einem Ursprungsfall ausgehen. "Wodurch dieser entstanden ist, da gehen die Meinungen auseinander", so der Experte. Natürlich könnte man nun auch bei der österreichischen BSE-Kuh eine solche Typisierung machen, die sehr teuer und aufwändig sei, aber Budka hält dies für überflüssig, da bisher alle Fälle in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz übereinstimmen würden. Budka macht darauf aufmerksam, dass man auch bei den ersten BSE-Fällen in Belgien und Deutschland immer von spontanen Fällen gesprochen habe, weil man angeblich nichts gefunden hat. "Nach dem Auftreten weiterer Fälle wurde jedoch immer klar, dass durchaus entsprechende Infektionsmöglichkeiten da waren", sagt Budka. (APA)