Wien - "Danke, es geht uns ausgezeichnet." Airan Berg, gemeinsam mit Barrie Kosky neuer Leiter des Wiener Schauspielhauses, ist bester Dinge, wenn man ihn auf die derzeitige Situation an der von Hans Gratzer übernommenen Bühne in der Porzellangasse in Wien-Alsergrund anspricht. "Wenn das einzige Problem der Stau an der Kasse ist, dann bin ich bereit, damit zu leben", lacht Berg. "Medea", die Eröffnungsproduktion, mit der am 23. Oktober aufgesperrt wurde, wäre stets ausverkauft gewesen. Zwei Zusatzvorstellungen hätten die Nachfrage nach der Inszenierung, die in einem kleinen, nur für 59 Zuschauer zugelassenen Raum gezeigt wurde, nur unzureichend befriedigt. "Wir hätten jeden Tag zwei bis drei Vorstellungen spielen können", so Berg, "deshalb nehmen wir die Produktion im April wieder auf." Auch die zahlreichen anderen Veranstaltungen und Gastspiele wären großteils gut gelaufen. Internationalität "Generell haben wir festgestellt, dass internationale Gastspiele ohne Festivalrahmen nur schwer zu bewerben sind, doch wenn die Mundpropaganda angelaufen ist, spricht sich die Qualität einer Produktion in Wien sehr rasch herum." Vieles wäre gut angenommen worden, etwa die dezidierte Internationalität des Programms und die Mehrsprachigkeit der "Medea". Das AutorInnenlabor wäre gestartet, und auch "author-in-residence" Gesine Danckwart würde bereits arbeiten. "Viele Sachen, die wir angekündigt haben, laufen bereits." Was lässt sich über die neue Publikumsstruktur sagen? "Bei 'Medea' war das Publikum total gemischt, von älteren Menschen bis zu Schulklassen, die mit den Füßen getrampelt haben. Die Stücke finden sich ihr Publikum. Und auch wenn man, wie immer in Wien, gelegentlich mit Misstrauen angeschaut wird: Die Leute entdecken für sich das Schauspielhaus neu." Der großzügige neue Eingangs- und Barbereich würde sich bewähren, die nächste Umbau-Etappe, die das ehemalige "Schaufenster" betrifft, soll im Februar bzw. März abgeschlossen sein, so Berg. Gastspiel Die nächste Premiere gilt am Freitag (14.12.) "Warum weinen Babies, wenn sie auf die Welt kommen?", einem fünftägigen Gastspiel des holländischen "Theater aan het Spui" mit einer Arbeit der jungen syrischen Theatermacherin Ola Mafaalani. "Sie untersucht ebenso wie 'Zwei Stimmen' von ZT Hollandia, die eben bei uns waren, das Phänomen der Globalisierung: Eine sehr verrückte Art von Show, nicht belehrend, sehr schräg, sehr verrückt, sehr musikalisch." Zu Silvester folgt "Boulevard Delirium" in der Inszenierung von Barrie Kosky. "Wir nennen es ein Stück Show-Theater. Es geht um das Phänomen des Star-Seins", erzählt Airan Berg und verspricht eine phänomenale Performance des Australiers Paul Capsis mit Musik von Judy Garland, Billie Holiday, Janis Joplin und Robert Stolz. Die Vorpremiere am 30.12. ist eine Benefizveranstaltung zu Gunsten der Aids-Hilfe. (APA)