Wien - "Unterstellungen" - dieses Wort wiederholte Islam Karimov am Dienstag mehrfach. Doch nicht nur mit dieser Qualifizierung versuchte der Präsident Usbekistans die Vorwürfe zu entkräften, die seiner Regierung in Menschenrechtsfragen gemacht werden. In einer Pressekonferenz während seines offiziellen Arbeitsbesuchs bei Bundespräsident Thomas Klestil in Wien stellte sich Karimov den Fragen der Journalisten. Mit Klestil hatte der usbekische Staatschef vor allem über den Ausbau der Beziehungen zu Österreich gesprochen. Unter anderem wurden im Zuge des Besuchs in der Hofburg zwei Abkommen über den Gütertransport und das Eisenbahnwesen unterzeichnet. Doch es ging auch um die weltpolitische Lage nach dem 11. September. Usbekistan ist hier als direkter Anrainer Afghanistans besonders betroffen, hat sein Territorium unter anderem für Militärstützpunkte der USA zur Verfügung gestellt und ist Ausgangspunkt für einen großen Teil der Hilfslieferungen in den afghanischen Norden. "Unterstellung" Gerade in diesem Bereich war Usbekistan in den vergangenen Wochen vorgeworfen worden, es behindere die Arbeit der Hilfsorganisationen. Karimov wies dies in Wien als "Unterstellung" zurück. Wer so etwas behaupte, betreibe "ein politisches Spiel". Auch die Kritik daran, dass Usbekistan die Brücke über den Grenzfluss Amudarja erst am vergangenen Sonntag - offenbar auf massiven Druck des US-Außenministers Colin Powell - geöffnet hatte, ließ Karimov nicht gelten: Trotz der Schließung seien immer Hilfsgüter über Lastkähne nach Afghanistan ausgeführt worden. Auf die Menschenrechtsverletzungen und den Mangel an Demokratie im eigenen Land angesprochen, wollte Karimov wiederum "Unterstellungen" erkennen. Unter anderem relativierte er die Zahl der Gefängnisinsassen in Usbekistan. Außerdem wies der Präsident darauf hin, dass das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) schon dreimal auf eigenen Wunsch habe Gefängnisse inspizieren können. "Das IKRK und Amnesty International haben jederzeit die Möglichkeit, Häftlinge zu besuchen", verkündete Karimov. Zu den Journalisten gewandt fügte er hinzu: "Wenn Sie Kontakt zu diesen Organisationen haben, sagen Sie ihnen, dass ich das hier offiziell gesagt habe." (jwo) (DER STANDARD, Printausgabe, 12.12.2001)