Wien - Kritik der Oppositionsparteien SPÖ und Grüne an der Regierung gab es am Mittwoch, in Zusammenhang mit dem BSE-Fall: Die SP-Umweltsprecherin Ulli Sima sprach von einer geringen Probenanzahl bei Untersuchungen von Rinder-Futtermittel auf Tiermehl. Der Grüne Agrarsprecher Wolfgang Pirklhuber nannte das Vorgehen von Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer (V) und Gesundheitsminister Herbert Haupt (V) eine "Verharmlosungsstrategie"."Nur" 437 Rinder-Futtermittel-Proben "Nur" 437 Rinder-Futtermittel-Proben auf Tiermehl wurden in Österreich laut einer aktuellen Anfragebeantwortung von Molterer an Sima, gezogen, so die Abgeordnete in einer Aussendung. "Da allgemein davon ausgegangen wird, dass Tiermehl im Futter von Wiederkäuern BSE auslöst, ist diese geringe Probenanzahl mehr als bedenklich." "Obwohl also bekannt war, dass es in Österreich in den vergangenen Jahren sehr wohl Verunreinigungen im Rinder-Tierfutter mit Tiermehl gab, wurde erst auf Druck der EU mit 1.1. 2001 ein generelles Tiermehlverbot verhängt, in dessen Folge Verunreinigungen des Futters für die Rinder ausgeschlossen werden kann", bemängelte Sima. Dass die Probenanzahl insgesamt gering sei, habe auch die EU-Kommission in ihrem Bericht über einen Kontrollbesuch des Lebens- und Veterinäramtes kürzlich scharf kritisiert. Verfütterungsverbot wird in Österreich "nicht effektiv überwacht Der EU-Bericht kritisiere zudem, dass das Verfütterungsverbot in Österreich "nicht effektiv überwacht" wird, erklärte die Abgeordnete. So seien laut EU-Bericht etwa nicht einmal die Grundregeln zur Verhinderung der Verseuchung von Wiederkäuer-Futtermitteln mit Tiermehl in den Mühlen eingehalten worden. "Die Verharmlosungsstrategie des ersten österreichischen BSE-Falles durch die Bundesminister Haupt und Molterer ist völlig unverständlich und unakzeptabel", erklärte der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber. Er finde es "bedenklich", wenn Haupt zwar alle Landesveterinärdirektoren angewiesen hat, Amtskräfte, Tierärzte und Schlachthofmitarbeiter nochmals zu schulen, "aber gleichzeitig immer noch keine Merkblätter fertiggestellt wurden, die definieren, was ein BSE-Verdachtsfall sei, wie dies im EU-Kontrollbericht vom 27. Juli 2001 gefordert wurde". Kritik an Verlust der Ohrmarken-Nummer "Abgesehen von den ohnehin sichtbaren Mängeln rund um die 'vertauschten Proben', ist der Verlust des wichtigsten Identifizierungsmerkmales nämlich der Ohrmarken-Nummer, einfach skandalös und ungeheuerlich, denn die Kennzeichnung und damit eindeutige Identifizierung der Rinder ist die unabdingbare Voraussetzung für wirksame Maßnahmen gegen BSE", so der Abgeordnete. Fordeung nach Herabsetzung der Ohrmarkennummer Pirklhuber forderte eine Herabsetzung des Mindest-Testalters der Tiere von 30 auf 24 Monate. Es seien in Deutschland zwei Fälle bei Rindern unter 30 Monaten aufgetreten. Weiters verlangte der Grün-Mandatar, dass "der Umwelt- und Landwirtschaftsminister Molterer endlich die notwendigen Reformschritte einleiten würde statt kritischen Stimmen durch seinen Pressedienst nur Panikmache vorzuwerfen". (APA)