Leben im Container. Real und nicht fürs Fernsehen. Der Einzige, der zuschaut ist ein Exekutivbeamter, der selbst in einer der Metallkisten hockt und per Monitor nach dem Rechten sieht. Vier Stockbetten in einem Container, dazwischen 40 Zentimeter dicke Luft. So sah bisher eine Wohnkiste für Asylwerber am Flughafen Wien Schwechat aus. Menschen, die noch oder überhaupt nicht ins Land dürfen, fristeten so ihr trauriges, angespanntes Dasein in einer der sieben Stahlboxen, im Schnitt sechs bis acht Wochen lang. Damit soll jetzt Schluss sein, zwar nicht mit den Containern und auch nicht mit dem Warten, auch nicht mit dem Eingesperrt-sein und Bangen, aber zumindest mit dem traurigen Innenleben der Legebatterien für Menschen, die auf der Suche nach einer neuen Existenz sind. 28 Studenten des Instituts für Wohnbau der TU Wien waren unter der Leitung des Architekten Peter Fattinger damit beschäftigt, der circa 100 m² großen, so genannten "Homebase" für Asylwerber eine attraktivere Gestalt zu verleihen. 400.000 Schilling / EURO 29.070 bekamen sie vom Innenministerium fürs Material, der Lohn für die angehenden Architekten ist ein Lehrveranstaltungszeugnis und das Gefühl, der einen oder anderen armen Haut diese Zeit des Darbens wenigstens ein bisschen zu erleichtern. "Erst dachten wir, es ist doch sinnlos und lächerlich, was kann man schon groß machen. Dann überzeugten uns aber die Leute von der Caritas, und wir legten los", so Fattinger über den Start des Projekts. Am 16. Dezember wird die vorgefertigte Einrichtung im Semper-Depot gemeinsam mit dem Radiosender FM 4 präsentiert und schon am Tag drauf beginnt der Einbau des neuen Oufits für die Container. Aber auf was soll man achten, wenn man ein kurzfristiges Heim für Leute kreieren soll, deren einzige Beschäftigung darin besteht, Zeit tot zu schlagen? Ablenkung hieß die Devise für die drei Studentengruppen, die sich daran machten, ein Umfeld für diese Schicksalsstunden zu gestalten. Es ging darum, Räume im Raum zu schaffen, Rückzugsmöglichkeiten zu entwerfen, wo Platz neben Freiheit der größte Mangel ist. Aufgaben waren, Farben zu wählen, die die Anspannung nicht noch vergrößern, Materialien zu finden, die robust sind, trotzdem anziehend wirken und abwaschbar sind, schließlich wird dieser Ort des Wartens alle drei Wochen desinfiziert. Der Begriff Privatsphäre wurde in Anbetracht der räumlichen wie auch sozialen Situation zum Zauberwort. Und die Architektenschar fand einen Zauberspruch, der funktionierte. Das Ergebnis ihres Aufwands, der weit über das übliche Pensum für ein Übungszeugnis hinausgeht, lässt sich sehen. Die Elemente für Schlafraum, Aufenthaltsraum und Gang erinnern von ihrer Gestalt her eher an die kunststoffene, sehr bunte Welt des längst wieder gepriesenen Design-Großmeisters der 60er-Jahre, Verner Panton. Der wenige Platz, der vorhanden war, wurde raffiniert zerlegt und mit kleinen Rückzugsmodulen aufgefüllt. Kleine Nischen zum Beispiel am 13 Meter langen Flur, die wie aus einer Art Einbauschrank herausgesägt wurden und an die Wohnhöhlen eines Ameisenbaus aus "Das große Krabbeln" oder einen futuristischen Schweizer Käse erinnern. Das Platzsparen hat Peter Fattingers Truppe übrigens bereits vergangenes Jahr gelernt, als im Rahmen eines Workshops mit dem ausgeflippten Designer, Architekten und Künstlers Joep van Lieshout das so genannte Keks - ein Christkindlmarkt samt DJ-Pult und Kuschelecke mit Hasenfellen erdacht wurde. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass sich das Keks auch diesen Advent wieder im Resselpark vor der TU Wien am Karlsplatz sehen lässt. Als Bedingung für die Annahme des Auftrags für die "Homebase" stellten die Studenten die Forderung, dass der Freiraum um die Container, circa 90 m² Grünfläche, 24 Stunden begehbar sein müsse. Außerdem wird die Bettenzahl auf zwölf reduziert, drei Schlafräume à vier Personen - nur Männer. Frauen werden laut Fattinger gleich ins Flüchtlingslager Traiskirchen gebracht oder befinden sich Transitbereich des Flughafens in der Warteschleife, zwischen Nobelboutiquen und hektischen Business-Reisenden. Außerdem sei geplant, in ein bis zwei Jahren ein anständiges Gebäude zu realisieren. Angeblich.