Wäre Felix nicht ein solcher Dickschädel, dann sähe die Mühlviertler Alm heute anders aus - vermutlich. Aber das juvenil-kecke Herumreiten mit Schulfreunden auf den paar verbliebenen Rössern, die die Bauern aus Nostalgie noch im Stall hatten, hat ihm bald nicht mehr genügt. Er baute ein Haus, kaufte Pferde - "da habe ich viel Lehrgeld gezahlt" - und landete nach vielen Versuchen bei argentinischen Criollos und verwandten Rassen. Heute stehen 30 davon, viele schon aus eigener Zucht, Jahr und Tag im Freien, wenn sie nicht gerade Wanderreiter durch die Wälder tragen. Und weil Felix keine halben Sachen macht, hat sich nicht nur seine gesamte Familie, sondern der ganze Bezirk schön langsam auf Pferde eingeschworen. Richard, der Hufschmied, macht neuerdings ein gutes Geschäft und singt am Abend Gstanzeln, auch Johann, der Sattler, hat wieder viel zu tun. Bauern öffnen ihre Höfe und Koppeln, bei den lokalen Schnapsbrennern steigt der Umsatz rasant an. Dutzende Reiterhöfe sind in den vergangenen Jahren entstanden, beim Wigg beispielsweise geht das Programm von Dressur über Springreiten bis zum Gespannfahren und Pferdewandern mit oder ohne Begleitung. Pferde wurden zum wichtigsten Umsatzbringer in einer nicht ganz einfach zu verkaufenden Region. Und die Bürgermeister sind völlig begeistert, das waren sie auch nicht immer. Natürlich gestaltete sich nicht alles so einfach, wie es heute klingt. Die Diskussionen mit Grundbesitzern und Jagdpächtern gehören zu den weniger angenehmen Erinnerungen. Doch letztendlich entstand ein 463 Kilometer langes Reitwege-Netz. Und immer mehr Pferdefreunde haben herausgefunden, wie reizvoll es ist, durch die intakte Landschaft des Mühlviertels zu reiten, über schneebedeckte Wiesen zu galoppieren - ja auch im Winter ist das Reiten hier ein Vergnügen, alles nur eine Frage der Ausrüstung, und immer gibt es irgendwo eine Sauna. Logische Folgerung des Erfolges: Felix baute luxuriöse Stallungen für die verwöhnten Turnierpferde, die sich hier samt ihren Reitern erholen können und mit aufmerksam gespitzten Ohren Freiheit schnuppern. Die StoneHill Ranch ist der letzte Streich ("wahrscheinlich höre ich jetzt auf zu bauen"), irgendwo zwischen Birken und urzeitlichen Steinblöcken ein paar Blockhäuser, eine stilechte Bar - und natürlich ein paar Tipis. Der Standard/rondo/11/12/2001