Brüssel - Für den EU-Gipfel von Laeken ist eine lange Tagesordnung vorgesehen, die die Staats- und Regierungschefs in nur knapp zwei Tagen abarbeiten sollen. Dazu gehören internationale Themen ebenso wie Streitfragen, die auf Ministerebene bisher nicht gelöst werden konnten. Es folgt ein Überblick über das Gipfel-Programm: AUSSENPOLITIK und SICHERHEIT: Die EU-Eingreiftruppe soll in Laeken für einsatzfähig erklärt werden. Ziel ist, bis zum Jahr 2003 innerhalb von 60 Tagen bis zu 60.000 Soldaten für EU-geführte Einsätze mobilisieren zu können. Notwendig dafür ist der Rückgriff auf Kapazitäten des Nordatlantikpakts. Das NATO-Mitglied Türkei hat keine Einwände mehr, wenn es dafür ein begrenztes Mitspracherecht bei EU-Einsätzen in für Ankara "sicherheitsrelevanten Regionen" bekommt. Dem wollte Griechenland bisher nicht zustimmen. Ratsvorsitzender Guy Verhofstadt will zudem über Afghanistan, Nahost, den Balkan und Afrika sprechen. BINNENMARKT und INNENPOLITIK: Bleibt Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi bei seinem Einlenken im Streit um den EU-Haftbefehl, dann hat der Gipfel mehr Zeit für Justiz-, Asyl- und Einwanderungspolitik. Zudem steht die Besteuerung von Zinserträgen auf der Tagesordnung. Einen neuen Anlauf wird es auch für die EU-Energiebesteuerung geben, Chancen werden dem aber kaum eingeräumt. Beschlossen werden sollen die Standorte für eine Reihe von EU-Ämtern und Agenturen, beispielsweise für Luftfahrtsicherheit. Dafür steht Köln mit auf der Bewerberliste. EU-REFORM: Verhofstadt präsentiert dem Gipfel einen Entwurf für die "Erklärung von Laeken", die Eckpunkte für die nächste Reform des EU-Vertragswerks vorgeben soll. Dazu gehört die Ernennung des Präsidenten für einen Konvent aus Vertretern der EU-Institutionen und der Mitgliedstaaten. Diese Gremium soll Optionen für die Reform ausarbeiten. ERWEITERUNG: Über die im Juni in Göteborg gegebene Zusage, dass die ersten neuen EU-Mitglieder an den Wahlen zum Europäischen Parlament 2004 teilnehmen können, wird Laeken voraussichtlich nicht hinausgehen. Die Ankündigung von Verhofstadt beim Oktober-Gipfel in Gent, Laeken werde prüfen, welche Kandidaten ihre Verhandlungen bis 2002 beenden könnten, nahm Außenminister Louis Michel schon am nächsten Tag zurück. (APA)