Es sei ihm "eine große Ehre", die Vereinigten Staaten in Österreich vertreten zu dürfen, erklärte der neue US-Botschafter Lyons ("Lee") Brown Jr. bei seiner Ankunft am Flughafen Wien. Kurz vor seiner Vereidigung in Washington, an der seine gesamte Familie - Frau Alice Carey, zwei Söhne, eine Tochter und insgesamt acht Enkel - teilnahmen, hat er im STANDARD-Gespräch erläutert: "Ich gehe zu einem Zeitpunkt nach Österreich, wo ich glaube, meinem Land helfen zu können, wo ich hoffe, meinen Teil zu diesem furchtbaren Kampf gegen den Terrorismus beitragen zu können." Und obwohl die Beziehungen zwischen Österreich und den USA hervorragend seien, könnten sie "immer noch verbessert werden".

Die Familie von Lyons Brown ist mit Österreich bereits seit drei Generationen eng verbunden - sein Großvater war Militärattaché in Wien und Budapest, und seine Eltern heirateten während der Dreißigerjahre in Wien.

Brown wurde am 22. August 1936 in Kentucky als Erbe einer der wichtigsten Familien von Industriellen dieses Staates geboren, die unter anderem "Jack Daniels"-Whiskey herstellt. Er studierte an der angesehenen University of Virginia in Charlottesville, wo er 1958 zum Bachelor of Arts in Geschichte graduierte. Nach Absolvierung eines weiteren akademischen Grades, Bachelor of Science, an der American Graduate School of International Management, trat Brown 1975 in die Familienfirma ein, in der er bis 1996 leitende Funktionen ausübte. 1987 bestellte ihn Ronald Reagan in ein Beratungskomitee für Handelspolitik, dem er sowohl unter George Bush senior als auch unter Bill Clinton bis 1994 angehörte.

"Während seiner gesamten Karriere ist Lee Brown in internationalen Handelsbeziehungen tätig gewesen und hat viel Erfahrung mit Regierungen in Europa gesammelt", begründete George W. Bush seinen Entschluss, Brown zum Botschafter für Österreich zu nominieren: Brown zeige auch großes Verständnis für die Wichtigkeit der Beziehungen zwischen den USA und Europa. Der neue Botschafter, der sich selbst als gemäßigter Republikaner sieht, hat Bush bei den letzten Wahlen großzügige Spenden zukommen lassen.

In Browns Familie gibt es eine jahrzehntelange Tradition des Mäzenatentums für kulturelle Institutionen in Kentucky und ganz Amerika. Lee und Alice Carey Brown, selbst begeisterte Musik- und Kunstliebhaber, wollen besonders die Kultur in Wien genießen ("Ihr habt so wunderbare Museen!"). Als echte "Kentuckians" hegt das Ehepaar eine große Liebe zu Pferden und freut sich schon sehr auf die Spanische Reitschule - bei früheren Besuchen haben sie sich oft lange für eine Vorführung angestellt. Vielleicht bleibt ihnen dieses Schicksal nun erspart.

(DER STANDARD, Printausgabe, 14.12.2001)