Wien - Der mit 29,8 Prozent an Telekom Austria (TA) beteiligte italienische Telekomriese Telecom Italia (TI) macht Ernst mit den angekündigten Beteiligungsverkäufen. Laut TI-Aufsichtsratspräsident und Pirelli-Chef Marco Tronchetti-Provera soll die Verschuldung der Olivetti-TI-Gruppe bis Jahresende bereits von 25 auf 22,5 Milliarden Euro (von 344,01 auf 309,61 Mrd. S) gedrückt werden.Erste Erfolge stellten sich dem Vernehmen nach bereits ein: Laut Unternehmenskreisen steht der Verkauf des 27-prozentigen TI-Aktienpaktes an der spanischen Telefongesellschaft Auna, deren Wert auf zwei Mrd. Euro (27,5 Mrd. S) geschätzt wird, unmittelbar bevor. Unternehmenskreisen zufolge dürfte Tronchetti-Provera rund 1,7 Mrd. EURO lukrieren können. 300 Mio. EURO soll der Verkauf des Glücksspielbetreibers Lottomatica in die leeren Olivetti-Kassen bringen, weitere 450 Mio. EURO die Satellitenbeteiligung. Vom Tisch ist überraschend der Verkauf des türkischen Mobilfunk-Start-ups Aria, an dem TI 49 Prozent hält. Insgesamt seien mit Beteiligungsverkäufen und Finanztransaktionen seit dem Sommer bereits 6,5 Mrd. EURO hereingekommen, heißt es bei TI. Etwas länger dauern dürfte es indes beim fast gleich großen österreichischen Festnetzpaket, für das die Italiener vor drei Jahren 27,3 Mrd. S oder 16 Euro bezahlt haben. "Es zieht sich", verlautet aus Unternehmenskreisen - auch weil TI über ihre Handytochter Tim noch eine Sperrminorität an A1-Mobilkom hält. Tronchetti-Provera bestätigte in einem Interview mit der Tageszeitung Il Giorno, dass bereits mit einigen interessierten Unternehmen Verhandlungen im Gange seien. Feilschen um Budget Augenblicklich feilschen TI-Vertreter und der zweite TA-Hauptaktionär, die Staatsholding ÖIAG, jedoch mehr um das TA-Budget für das Geschäftsjahr 2002 als um den Verkauf. Am Donnerstag fand dafür in Wien wieder ein so genanntes "Advisory Council" statt, an dem dem Vernehmen nach TA- und Mobilkom-Vorstände, von der ÖIAG entsandte TA-Aufsichtsräte und "die zweite Garde der internationalen Besetzung von Telecom Italia" teilnahmen. Dass sich der TA-Vorstand unter Generaldirektor Heinz Sundt einen ähnlich ambitionierten Businessplan "aufs Aug' drücken lässt" wie im Vorjahr, bezweifeln Insider in der ÖIAG. Denn dieser sei ohnehin um rund 100 Mio. EURO verfehlt worden. Druck dürfte ÖIAG-Vorstand und TA-Aufsichtsratschef Peter Michaelis dennoch machen, will er doch die Performance der TA deutlich verbessern, wie er dem STANDARD mehrfach versichert hat. Die Erste Bank jedenfalls rechnet bereits im Jahr 2002 mit dem Erreichen der Gewinnschwelle und hat die Ergebnisprognosen erhöht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 14. Dezember 2001)