München - Bisher waren die Verhältnisse in der deutschen Fernsehlandschaft klar. Ganz vorne Bertelsmann und das Imperium des Münchner Medienmoguls Leo Kirch - und dann kam eine Weile nichts. Doch seit einigen Monaten sorgt ein neuer Name in der Medienbranche für Unbehagen: John Malone. Seitdem der Chef des US-Konzerns Liberty Media von der Deutschen Telekom für knapp 11 Mrd. DM (5,62 Mrd. Euro/77,4 Mrd. S) den größten Anteil der deutschen Kabelnetze gekauft hat, fürchten die Fernsehsender eine neue Dimension der Medienmacht in Deutschland - eine Art Leo Kirch in XXL. Von dem Einstieg des US-Konzerns hatten sich die Wettbewerbshüter ursprünglich mehr Konkurrenz auf dem Telekommunikationsmarkt erhofft. Durch die gleichzeitige Nutzung der Fernsehkabel für Fernsehen, Internet und Telekommunikation sollte die Telekom einen ernsthaften Mitspieler bekommen. Die Zustimmung des Kartellamts galt deshalb bis vor wenigen Wochen als Formalie. Bei einem Besuch in Berlin traf sich John Malone als mächtiger Medienmogul von morgen bereits mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und erfreute Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) mit der Nachricht, dass Liberty Media seine Deutschland-Zentrale in München ansiedeln werde. Einstieg bei Premiere Doch fast zeitgleich wurde bekannt, dass Liberty nicht nur räumlich nahe an Kirch heran rückt: Die Amerikaner planen auch den Einstieg bei Kirchs verlustreichem Bezahlsender Premiere und wollen dazu den 22-prozentigen Anteil von Murdoch übernehmen. Damit hätte Liberty Media nicht nur einen Großteil des Kabelnetzes in der Hand, sondern könnte auch den Inhalt dazu liefern. Das würde dem Kartellamt aber vermutlich zu weit gehen. Für Liberty ist die Beteiligung an Premiere nach Einschätzung der Fernsehsender nur der erste Schritt. "Liberty Media fährt eine aggressive Strategie bei den Inhalten und plant, weitere Anteile an Programmanbietern zu erwerben", kritisierte RTL-Geschäftsführer Gerhard Zeiler in einem Gastbeitrag für die "Financial Times Deutschland". Kartellsamts-Entscheidung verzögert sich Die Entscheidungen des Bundeskartellamts zu den strittigen Kabelnetz-Käufen des US-Medienkonzerns Liberty Media in Deutschland werden sich hinauszögern. Nach der Fristverlängerung beim geplanten Kauf von sechs regionalen Kabelgesellschaften der Deutschen Telekom vom 7. Jänner auf 28. Februar 2002 soll auch die geplante Übernahme der Kabelnetz-Gesellschaft TeleColumbus bis Mitte März - unter Ausschöpfung der vollen viermonatigen Frist - geprüft werden, wie ein Sprecher des Kartellamts am Freitag in Bonn bestätigte. Gegen die Übernahmepläne von Liberty waren bereits Bedenken aus dem Kartellamt verlautet. Liberty hat außerdem noch einen Einstieg in den Pay-TV-Sender der Kirch-Gruppe Premiere World beim Kartellamt (dpa, Wiegmann/APA)