Wien - Die große österreichische Gaslösung ist gescheitert. Die Steirische Ferngas will mit französischer Hilfe ein Gegengewicht zur Allianz aus OMV, EVN und Wien Energie schaffen. Die Steirer planen gemeinsam mit dem stragetischen Partner Gaz de France, der zusammen mit der Eléctricité de France die Sperrminorität an der Estag hält, einen österreichweiten Vertrieb aufzuziehen. Man habe den anderen heimischen Gasversorgern, mit denen man nach wie vor aufrechte Lieferverträge hat, mitgeteilt, dass man auf die französische Karte setze. "Wo bleibt dann der Wettbewerb?" "Ich gehe davon aus, dass die Kooperation mit unserem französischen Partner zustande kommt", erklärte Ferngas-Vorstand und Estag-Vorstandssprecher Adolf Fehringer. Dieser Alleingang sei auf jeden Fall vorteilhaft für die Kunden. "Wenn sich die Großen alle zusammentun, wo bleibt dann der Wettbewerb", begründet Fehringer den steirischen Alleingang. Schließlich würde die Allianz der großen drei im Gas rund drei Viertel des Marktes kontrollieren. Die Steirische Ferngas ist mit einem Absatz von 1,1 Mrd. Kubikmetern der viertgrößte heimische Gasversorger. Der Estag-Vorstand weist die Kritik zahlreicher Unternehmen - besonders aus der steirischen Papierindustrie - zurück, dass man trotz Teilliberalisierung de facto nicht den Versorger wechseln könne. "Viele Betriebe haben mächtigen Nutzen aus der Marktöffnung gezogen. Dank Mitnahmeeffekten sind die Preise bei den Industriekunden um bis zu 30 Prozent gefallen." Ab Oktober 2002 dürfen alle 900.000 Gaskunden ihren Lieferanten frei wählen. Dadurch sollen sich die Haushalte laut Angaben des Regulators im Minimum zehn Prozent ersparen können, im Schnitt 1500 S im Jahr. (rose, DER STANDARD, Printausgabe 15.12.2001)