Buenos Aires/Montevideo - Mit Töpfeschlagen und einem Generalstreik haben die Argentinier gegen die Sparpolitik ihrer Regierung protestiert. Nach dem ohrenbetäubenden Protestgeklapper von mehreren Zehntausend aufgebrachten Menschen am Mittwoch-abend erwachte die Hauptstadt Buenos Aires am Donnerstag mit geschlossenen Behörden, verriegelten Schulen und Hospitälern, einem darnieder liegenden Nahverkehr und ohne Müllabfuhr.

Mehrere Hauptverkehrsstraßen waren durch demonstrierende Arbeitslose, so genannte "piqueteros", blockiert. Im Landesinnern kam es mancherorts zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei. Es war der sechste und einer der größten Generalstreiks gegen Präsident Fernando de la Rúa.

Die Wut der Bevölkerung richtete sich gegen die verzögerte Auszahlung von Pensionen und Weihnachtsgeldern, die Beschränkung von Bargeldabhebungen und den Griff der Regierung in die Kassen der Pensionsfonds, um anstehende Zinszahlungen tätigen zu können. Präsident de la Rúa kritisierte den Streik als politische Manipulation ohne klares Ziel.

Zu den Protesten hatten die drei größten Gewerkschaften aufgerufen. Die Arbeitslosigkeit in Argentinien liegt bei 20 Prozent, und ein Drittel der 36 Millionen Argentinier lebt in Armut. Wegen der Bindung an den Dollar hat sich Argentinien zum teuersten Land Lateinamerikas entwickelt. Eine Familie braucht mindestens 1500 Dollar pro Monat, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Nach Angaben des Arbeitsministers Gabriel Dumon verdienen 86 Prozent der Arbeitnehmer weniger als tausend Dollar im Monat. (DER STANDARD, Print-Ausgabe 15./16.12.2001)